Kristina Hänel musste gestern eine vermutlich nur vorübergehende Niederlage einstecken. Selbst der Richter ließ deutlich durchblicken, dass er mit der Gesetzeslage hadert. Bis sich an der etwas ändert, wird sich die Frauenärztin aus Gießen wohl durch die Instanzen klagen müssen. Die Zweifel am Urteil gegen Hänel sind jedenfalls nur zu berechtigt: Denn wenn Ärzte etwas Erlaubtes tun (nämlich Abtreibungen vornehmen), darauf aber nicht einmal ganz dezent auf ihrer Homepage hinweisen dürfen (aufgrund des Werbeverbots), läuft eindeutig etwas schief.

Es wäre Aufgabe der Politik, für Frauenärzte rechtlich einwandfreie Arbeitsbedingungen zu schaffen. Auch wenn das Thema komplex ist. Wie komplex, das zeigt die Initiative aus dem Bundestag, die die Frage der Pränataldiagnostik neu aufrollen will. Abtreibung ist eben nicht gleich Abtreibung. Ethisch problematisch wird es, wenn Leben aussortiert wird, weil es nicht dem vermeintlichen Ideal entspricht. Seltsamerweise ist das aber nicht verboten.