Bei Protesten der französischen „Gelbwesten“-Bewegung ist es in Paris erneut zu Zusammenstößen gekommen. Auf den Champs-Elysées ging die Polizei am Samstag mit Tränengas gegen Demonstranten vor, die mit Helmen, Masken und Pyrotechnik ausgerüstet waren. Nahe dem Triumphbogen wurden Polizisten nach Polizeiangaben mit Steinen beworfen, auch dort setzten die Ordnungskräfte Tränengas ein. 74 Verdächtige seien in Polizeigewahrsam genommen worden, erklärte die Pariser Staatsanwaltschaft. Die Polizeipräfektur sprach von rund hundert Festnahmen. 

«Gelbwesten» gehen mit französischen Nationalflaggen am Arc de Triomphe entlang.
«Gelbwesten» gehen mit französischen Nationalflaggen am Arc de Triomphe entlang. | Bild: KAMIL ZIHNIOGLU

In der südfranzösischen Stadt Nîmes gab es ebenfalls Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und „Gelbwesten“. Demonstranten mit Blechplatten standen Polizisten gegenüber, die Tränengas und Hartgummigeschosse abfeuerten. Mehrere Menschen erlitten Verletzungen.

A masked demonstrator holds a placard reading "Power to the People" as he and others face anti-riot police in a street heading to the Arena of Nimes in background during an anti-government demonstration called by the Yellow Vests "Gilets Jaunes" movement, in Nimes, southern France on January 12, 2019. - France braced for a fresh round of "yellow vest" protests on January 12, 2019 across the country with the authorities vowing zero tolerance for violence after weekly scenes of rioting and vandalism in Paris and other cities over the past two months. (Photo by Pascal GUYOT / AFP)
Nîmes: Maskierte Demonstranten mit einem Plakat mit der Aufschrift "Power to the People", im Hintergrund das Amphitheater von Nîmes. | Bild: PASCAL GUYOT (AFP)

Zehntausende Sicherheitskräfte

Vor den neuerlichen Protesten mobilisierte die Regierung ein Großaufgebot von 80.000 Sicherheitskräften, davon 5000 allein in der Hauptstadt. Sie kündigte zudem härtere Gesetze an, die ein Demonstrationsverbot für Randalierer vorsehen. In Paris nahmen die Polizisten bis Samstagnachmittag 43 Verdächtige fest. Zur Begründung hieß es unter anderem, diese hätten „verbotene Waffen“ bei sich getragen oder sich an einer gewaltbereiten Gruppe beteiligt.

Es war der neunte Samstag in Folge, an dem die „Gelbwesten“ auf die Straße gingen. Um 14.00 Uhr gab es nach Angaben des Innenministeriums landesweit 32.000 Demonstranten, davon 8000 in Paris. Die Polizei rechnete landesweit mit einer ähnlich hohen Beteiligung wie vor den Weihnachtstagen. Für den 15. Dezember hatten die Behörden die Teilnehmerzahl mit 66.000 angegeben, was die „Gelbwesten“ für stark untertrieben halten.

Paris: Bereitschaftspolizisten halten sich nahe einer «Gelbwesten»-Demonstration in Paris bereit.
Paris: Bereitschaftspolizisten halten sich nahe einer «Gelbwesten»-Demonstration in Paris bereit. | Bild: THIBAULT CAMUS

Demonstration in Bourges

Neu an diesem Samstag war eine größere Demonstration in Bourges im Zentrum Frankreichs. Dazu aufgerufen hatte unter anderen Priscilla Ludosky, eine der frühen Wortführerinnen der „Gelbwesten“ vom gemäßigten Flügel. Die Präfektur des Departements Cher gab die Zahl der Demonstranten in Bourges mit 5300 an. Vor Beginn der eigentlichen Demonstration hatte die Polizei nach Angaben der Behörden „15 Personen vorsorglich festgenommen“. Die Polizei hatte mit bis zu 3000 Demonstranten gerechnet.

Bourges: Teilnehmer einer Demonstration der «Gelbwesten» haben sich auf einem Platz versammelt.
Bourges: Teilnehmer einer Demonstration der «Gelbwesten» haben sich auf einem Platz versammelt. | Bild: Rafael Yaghobzadeh

Macron sucht den Dialog

Staatschef Emmanuel Macron versucht die Protestbewegung durch einen „Bürgerdialog“ zu besänftigen, der kommenden Dienstag beginnen soll. Die meisten Demonstranten können dem jedoch nicht viel abgewinnen. Eine aus dem Alpenort Albertville im Departement Savoie nach Paris gereiste „Gelbwesten“-Trägerin, die 34-jährige Charlotte, hatte für Macrons „Dialog“ nur Spott übrig. „Das ist Quark, ein Ablenkungsmanöver“ sagte sie. „Wir wollen nicht mehr reden, wir wollen Taten.“

Bourges: Ein Teilnehmer einer Demonstration der «Gelbwesten» hält eine Rauchgranate während des Protests in Bourges. In Bourges gingen nach Angaben der örtlichen Präfektur bis zum Nachmittag etwa 5000 Menschen auf die Straße.
Bourges: Ein Teilnehmer einer Demonstration der «Gelbwesten» hält eine Rauchgranate während des Protests in Bourges. In Bourges gingen nach Angaben der örtlichen Präfektur bis zum Nachmittag etwa 5000 Menschen auf die Straße. | Bild: Rafael Yaghobzadeh

Die gelben Westen

Die „Gelbwesten“-Bewegung setzt der Regierung Macron seit November zu. Bei ihren landesweiten Kundgebungen demonstriert sie gegen Steuer- und Preiserhöhungen sowie für eine verbesserte Kaufkraft der Franzosen. Ursprünglich hatte sich die Bewegung gegen hohe Spritpreise und die geplante Ökosteuer auf Diesel gerichtet. Später mischte sich in den Protest allgemeiner Unmut über die Politik der Regierung. Deren angekündigte milliardenschwere Zugeständnisse, die unter anderem mehr Geld für Mindestlohnbezieher und Entlastungen für Rentner vorsehen, weisen die Demonstranten als ungenügend zurück. Viele fordern weitere Steuersenkungen, Volksabstimmungen nach schweizerischem Vorbild sowie Macrons Rücktritt. (AFP)