1. Worum geht es? „Der Deutsche Bundestag möge beschließen, Periodenprodukte wie Binden, Tampons und Menstruationstassen mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent zu besteuern.“ So beginnt Petition Nummer 91015. Begründung: „Menstruierende“ würden dadurch „systematisch diskriminiert“. „Frauen menstruieren etwa 40 Jahre ihres Lebens einmal im Monat für etwa drei bis fünf Tage – ob sie wollen oder nicht. Das ist kein Luxus und sollte nicht als solcher besteuert werden.“
  2. Wer macht sich dafür stark? Eine Online-Petition dazu hat in rund vier Wochen mehr als 81.000 Unterschriften bekommen – das Quorum für eine Beratung im Bundestag liegt bei 50.000. Ins Leben gerufen wurde die Petition vom Online-Magazin „Neon“ und dem Start-up Einhorn, das für vegane Kondome bekannt ist. Unter dem Motto #keinluxus hatten sie vor allem in sozialen Netzwerken für ihr Anliegen geworben – und prominente Unterstützer wie die Sängerin Lena Meyer-Landrut und die Moderatoren Charlotte Roche, Palina Rojinski und Jan Böhmermann gewonnen.
  3. Wie geht es weiter? Die Initiatoren müssen nun im Bundestagsausschuss angehört werden. Wann ist allerdings noch unklar. Von Seiten der Bundestags-Pressestelle heißt es, dass dies wahrscheinlich nicht mehr vor der Sommerpause geschieht. Unterstützer dürften die Initiatoren haben, denn auch der CDU-Frauenpolitiker Marcus Weinberg forderte zuletzt niedrigere Steuern: „Damenhygiene gehört zum Grundbedarf von 50 Prozent der Bevölkerung und wird besteuert wie ein Luxusartikel.“
  4. Um wieviel Geld geht es überhaupt? Wieviel Geld ein Mensch im Laufe des Lebens für Binden, Tampons und Co. ausgibt, dazu gibt es lediglich Schätzungen. Wer einmal im Monat eine Großpackung Tampons kauft (für 3,95 Euro), landet nach 40 Jahren Periode bei 1920 Euro. Aber da Frauen unterschiedlich stark bluten, ist die Bandbreite groß .
  5. Was spricht gegen eine niedrigere Tamponsteuer? Nichts – ginge es nach dem gesunden Menschenverstand. Das deutsche Steuerrecht ist aber etwas komplizierter. Die ermäßigte Mehrwertsteuer wird auf eine recht willkürliche Auswahl von Produkten angewandt. So fallen etwa Krabben darunter, Hummer aber werden voll besteuert. Brennholz ist staatlich bevorzugt (sieben Prozent), Babynahrung und Medikamente nicht (19 Prozent). Übrigens zahlen Männer für Rasierklingen ebenfalls einen erhöhten Steuersatz – wobei das Rasieren allerdings nicht unvermeidlich ist, wie die aktuelle Bartmode beweist. Dennoch: Wer die Tamponsteuer angeht, sollte sich auch Kekse vorknöpfen (für Hunde verbilligt, für Kinder nicht) oder die Unterscheidung von Reitpferden (sieben) und Goldfischen (19 Prozent).