Das Bahn-Gipfele in Singen vor gut zwei Wochen bringt frischen Schwung auf die Schiene. Nach vielen Jahren des geduldigen Wartens und kleiner Schritte wurde bei dem kleinen Gipfel, den der CDU-Politiker Andreas Jung einberufen hatte, klar: Mittelfristig kann an der Gäubahn im großen Stil gebaut werden.

Für den Abschnitt Horb-Neckarhausen liegt seit einigen Tagen ein Planfeststellungsbeschluss vor. Damit ist das Baurecht erteilt, berichtet das Verkehrsministerium des Landes – und gibt den Ball umgehend an den Bund weiter: Wenn Bahn und Bund die Finanzierung zeitig abschließen, könne 2020 mit Umbau und Ausbau begonnen werden. Für die Verhältnisse der Bahn wäre das zügig.

Die Bälle werden mit schöner Regelmäßigkeit hin- und hergeschoben. Doch so komplex die rechtlichen Verhältnisse auch sind, so unstrittig ist das überragende Ziel: Die Gäubahn soll deutlich schneller werden als bisher. Darin sind sich alle Beteiligten einig. Sie verweisen auch auf die Vereinbarung von Lugano, in der schon vor mehr als 20 Jahren von Deutschen und Schweizern ein flüssiger und schneller Schienenverkehr versprochen wurde. Nur die Schweiz hat sich bisher daran gehalten.

Ein zweites Gleis

Ein Großteil der Investitionen soll in den Ausbau zur durchgängigen Zweigleisigkeit fließen. 66 Kilometer zwischen Horb und Hattingen werden eingleisig geführt, seitdem französische Bausoldaten einen Schienenstrang abschraubten und mit nach Frankreich nahmen. Auch einige Tunnels müssen überholt und überarbeitet werden.

Als Streitpunkt erweist sich dabei das eingesetzte Material. Das Land Baden-Württemberg favorisiert dabei eindeutig die Neigetechnik der Züge, bei der sich die Züge in die Kurve legen und somit schneller fahren können. Die Fahrt von Stuttgart nach Singen könne man damit um 20 Minuten verkürzen, sagt Uwe Lahl, Amtschef im Verkehrsministerium des Landes. Lahl widerspricht damit dem Bahn-Bevollmächtigten für Baden-Württemberg, Sven Hantel. Dieser gesteht der Neigetechnik maximal zehn Minuten Zeitersparnis zu, weshalb die Bahn diese Methode nicht favorisiere.

Schwächen der Neigetechnik

Auch Uwe Lahl, die graue Eminenz im Ministerium von Winfried Hermann, räumt Schwächen der Neigetechnik ein. Lok und Wagen sind in der Anschaffung je Stück teurer als konventionelle Gefährte. Und sie seien störanfälliger, berichtet Lahl. Auch aus diesem Grund ist der Einsatz der Kurvenkönige eine grundsätzliche Frage. Die SBB (Schweizer Bundesbahn) hat von der Neigetechnik inzwischen Abstand genommen. Das Material, das die SBB aktuell neu bestellt, sei ohne Neigungswinkel gebaut. Dennoch steht für Lahl fest, dass die Neigezüge unter dem Strich kostengünstiger verkehren.

Im Übrigen mehren sich die Stimmen, die den Streit über die Neigetechnik nicht länger hinnehmen wollen. „Die erneute Diskussion, welche Züge zum Einsatz kommen, ist nur eine weitere Hinhalte-Taktik des Bundes, um den notwendigen Ausbau weiter zu verzögern“, schreibt die Landtagsabgeordnete Nese Erikli (Wahlkreis Konstanz).

Meßkirch interessiert sich für die Ablachtalbahn

Auch kleinere und weniger prominente Strecken stehen dieser Tage zur Diskussion. Die Stadt Meßkirch beispielsweise interessiert sich für die Ablachtalbahn, die Stockach über Meßkirch mit der Stadt Mengen verbindet. Die Strecke ist intakt und befahrbar, wird aber kaum genutzt. Derzeit ist sie noch im privaten Besitz der Firma Tegometall, die sich von der Strecke aber gerne trennen würde.

Der Meßkircher Bürgermeister Arne Zwick regt eine kommunale Trägerschaft an, das bedeutet: Die Gemeinden an der Strecke würden die Bahn an der Ablach gemeinsam betreiben. Die Stadt Meßkirch wäre laut Arne Zwick gerne dabei. Das neue Transportmittel könne für Schüler oder Pendler eingesetzt werden.

Gäubahn