Vor einigen Tagen ging ein spannendes Foto durch die Medien. Es entstand im Berliner Schloss Bellevue. Die drei wichtigsten CDU-Politikerinnen hatten sich am Amtssitz des Bundespräsidenten eingefunden: die Bundeskanzlerin, die alte und dann die neue Verteidigungsministerin. Angela Merkel lächelt verschmitzt. Ursula von der Leyen strahlt, Annegret Kramp-Karrenbauer schaut ernst. Das Bild signalisiert: Wir Frauen schaffen das. Eine Frau kann alles, auch den Oberbefehl über die Bundeswehr und damit eine Bundesbehörde, die noch immer männlich beherrscht ist. Eine Dame ist Vorgesetzte von Generälen.

Annegret Kramp-Karrenbauer, Ursula von der Leyen und Angela Merkel im Schloss Bellevue.
Annegret Kramp-Karrenbauer, Ursula von der Leyen und Angela Merkel im Schloss Bellevue. | Bild: Michael Kappeler

Kuchenbuffet, nicht Rednerpult

Sind Frauen endgültig angekommen in den Teppich-Etagen, in denen die Kaffeemaschinen italienischer Bauart blinken? Männer neigen dazu, das jovial zu bejahen. Immer häufiger ist Damenwahl angesagt. Die erste deutsche Kanzlerin läutete eine neue Ära ein. In großen Firmen und selbst in Narrenzünften sind immer mehr Frauen am Ruder. Nur in der katholischen Kirche sowie in der 1. Fußball-Bundesliga sind sie deutlich in der zweiten Reihe. Ihr angestammter Ort ist das Kuchenbuffet, nicht vorne am Rednerpult.

Tatsächlich haben es Frauen noch immer schwer, wenn sie mehr als eine Abteilung leiten wollen. Das unterstrich kürzlich eine Politikerin, die es aus eigener Erfahrung weiß: Susanne Eisenmann, die künftige Spitzenkandidatin der CDU im Land.

Susanne Eisenmann steht da drüber

Was sie über ihr politisches Gebiet und ihr Ressort sagt, ist das eine. Das andere sind ihre Frisur, Schmuck, Schuhwerk. Die Kultusministerin selbst trägt nicht schwer daran. Sie wirkt robust und lässt sich von Bling-Bling nicht beeindrucken. Das ändert aber nichts daran, dass Frauen eher nach dem Erscheinungsbild als nach dem politischen Gewicht beurteilt werden. Wo Männer im grauen Anzug und Langweiler-Krawatte als gut angezogen gelten, muss eine Frau schon mehr tun.

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Angela Merkel machte sich darauf einen eigenen Reim. Sie kombiniert eine bequem geschnittene dunkle Hose mit einem farbigen Jackett. Diese Kanzlerinnenkombination passt in fast jeder Jahreszeit, sie ist so zeitlos wie die Kanzlerin selbst. Das mussten auch ihre Parteifreunde erfahren, die Merkel in vielen Jahren auf ihr Normalmaß reduzierte und in ihre wachsende Zwergengalerie einreihte. Durch Wegloben, Absägen oder schlichtes Ignorieren wurde sie mit Männern und Männchen in den eigenen Reihen fertig. Damit erreichte sie mehr für die Emanzipation der Frauen als die gesammelten Reden von Claudia Roth.

Kummerecken und Problemzonen

Woran hapert es dann? Der schwere Zugang zur Karriere liegt auch bei den Frauen selbst begründet. Sie sind es, die ihresgleichen sorgfältig mustern und die Kummerecken sowie Problemzonen einer Prominenten skalpellscharf analysieren. Dass Frauen verstärkt Frauen wählen, darf deshalb bezweifelt werden. Da sie in er Mehrheit sind, müssten die Parlamente anders aussehen. Das tun sie aber nicht.

Verheerend: Heidi Klum und das Klum-Prinzip

Da ist auch Neid im Spiel. Zudem treten neue Sehgewohnheiten ins Bild. Heidi Klums Show, mit der angeblich jungen Frauen zum Traumberuf verholfen wird, trägt einen Gutteil bei. Es ist die hohe Schule der Oberflächlichkeit, die Heidi K. leitet. Und es ist ein biologistisches Menschenbild, das sie herbeikreischt: Du bist, wie du aussiehst. Neben der Siegerin kniet das heulende Elend. Es ist naheliegend, dass die Zuseherinnen das Klum-Prinzip auch auf andere Bereiche übertragen. Schönheit geht über alles.

Barbie wurde nie gewählt

Mit der Politik, wie sie Frauen in der Landesregierung treiben, hat das nichts zu tun. Eisenmann, Sitzmann oder Hoffmeister-Kraut sind gestandene Persönlichkeiten, die sich vom piepsigen Barbie-Ideal nicht rausbringen lassen. Doch ihre potenziellen Wählerinnen sind davon beeinflusst, indem sie Deutungsmuster vom Laufsteg auf die Politik übertragen. Der Sache tut das nicht gut. Der Bürger liebt die ungeschminkten Wahrheiten.