Das ist die Botschaft, die seine glühenden Anhänger sehnlichst erwartet und seine Gegner befürchtet haben. Friedrich Merz, der bei der Neuwahl des Parteichefs auf dem CDU-Parteitag in Hamburg vor knapp zwei Wochen denkbar knapp Annegret Kramp-Karrenbauer unterlegen ist, zieht sich nicht wieder verbittert und enttäuscht von der politischen Bühne zurück, wie er es schon einmal getan hat, sondern ist bereit, „wirklich mit ganzer Kraft in die Politik zu gehen“, wie er selber sagt. Dafür wolle er sogar seine bisherigen gut dotierten Jobs aufgeben.

Welches Amt er anstrebt, lässt Merz ausdrücklich offen. Einerseits weiß er nur zu gut, dass er als Außenstehender ohne Funktion in der Partei kein Recht hat, konkrete Forderungen zu erheben. Andererseits ist der Sauerländer, der gerade einmal zwei Jahre, von 2000 bis 2002, an der Spitze der Unionsfraktion stand, ehe ihn Angela Merkel mit der tatkräftigen Unterstützung von CSU-Chef Edmund Stoiber verdrängte, selbstbewusst genug, dass er die Frage, ob er sich auch ein Ministeramt in der Bundesregierung zutraue, bejaht. Er kann das tun, weil er mächtige Fürsprecher in der Bundestagsfraktion wie in der Partei hinter sich hat. In die Waagschale kann er die 48 Prozent der Delegierten werfen, die ihm auf dem Parteitag in Hamburg ihre Stimme gegeben haben, zudem auch den großen Block der Konservativen wie der Wirtschaftsliberalen in der Union. Listig fügt Merz aber hinzu, es liege nicht in seiner Hand, was er werde, sondern sei „Sache der Kanzlerin“.

Merkel hat den Schwarzen Peter

Damit beschreibt Merz nicht nur ganz treffend seine Ohnmacht in dieser Frage, sondern schiebt der Kanzlerin gleich auch noch den Schwarzen Peter zu, sollte sein nicht zu überhörendes Werben in eigener Sache ungehört verhallen. Wenn es trotz des ausdrücklichen Wunsches der Basis nichts wird mit einem Ministeramt, dann ist einzig und allein Merkel schuld. Wieder einmal, nachdem sie ihn schon 2002 ausgebootet hat.

Damit aber macht es sich Friedrich Merz entschieden zu einfach. Warum sollte er so einfach Minister werden, nachdem er seit bald einem Jahrzehnt nicht mehr in der aktiven Politik tätig ist? Und vor allem: Wer sollte den Weg für ihn frei machen? Die halbe Bundestagsfraktion, mindestens, fühlt sich für ein Ministeramt berufen. Merkel müsste ihr Kabinett umbauen. Infrage käme ja nur das Wirtschaftsressort, doch da sitzt mit Peter Atmaier ein enger Vertrauter und loyaler Gefolgsmann der Kanzlerin. Ihn wegen Merz opfern? Zwar gibt es Spekulationen, dass Altmaier im nächsten Jahr in die EU-Kommission wechseln könnte, aber für einen Posten in Brüssel ist schon der Spitzenkandidat der CSU für die Europawahl, Manfred Weber, gesetzt. Kaum vorstellbar, dass Merkel wegen Merz einen neuen Konflikt mit der bayerischen Schwester riskiert, nachdem sich gerade erst die Wogen geglättet haben. Aber vielleicht wird ja Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen 2019 Nato-Generalsekretärin, dann könnte Peter Altmaier ins Verteidigungsressort wechseln und den Stuhl für Merz räumen. Oder Innenminister Horst Seehofer hört auf. Dann könnten CDU und CSU Ressorts tauschen. Das aber sind alles viel zu viele „hätte“ und „könnte“, so plant man keine Karriere.

Nein. Im Kabinett ist derzeit kein Platz für Friedrich Merz. Und das weiß er auch. Aber er ist seit Hamburg wieder im Spiel. Und das nützt er aus. Trotz seiner Niederlage ist er stark genug, um alleine durch seine Anwesenheit die neue CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer unter Druck zu setzen, die auf ihn und seine Anhänger angewiesen ist. Die Amtszeit seiner großen Widersacherin Angela Merkel neigt sich ohnehin dem Ende zu, das kann er abwarten. So bleibt er, gerade weil er als Außenstehender nicht in das System Merkel eingebunden ist, für seine Anhänger das, was er bereits in Hamburg war – die Verheißung auf eine bessere Zukunft. Ohne es beweisen zu müssen.