Wer hat Angst vor Kevin Kühnert? Offenbar ziemlich viele Menschen. Sonst würde der Juso-Chef kaum so viele Prügel einstecken müssen dieser Tage. Nach seinen vermeintlichen Verstaatlichungsvorschlägen scheint schon fast das Schreckgespenst des Sozialismus in Deutschland umzugehen.

Als Politiker überhaupt nicht arrogant

Dabei ist es ziemlich umgänglich, dieses Schreckgespenst: Kühnert ist im persönlichen Umgang freundlich, hilfsbereit, alles andere als arrogant. Bei unserem Interview-Termin in Überlingen sucht er selbst nach den Lichtschaltern, um den Raum für den Fotografen heller zu bekommen.

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Das sind natürlich Nebensächlichkeiten, wenn es um die politische Bewertung geht. Aber auch hier kann der 29-Jährige punkten: Letzten Endes sind es Typen wie Kühnert, die die SPD wieder wählbar machen. Weil er sich auch bei Widerstand nicht verbiegen lässt. Und weil er für etwas steht: die Idee von einer gerechten Welt.

Warum sollte man die SPD wählen?

In der Ära sich aneinanderreihender großer Koalitionen ist der SPD genau dies abhanden gekommen. Auch wenn sie – angefangen beim Mindestlohn – einiges erreicht hat in den Jahren an der Seite von Merkel, belegen die stetig sinkende Wahlergebnisse, dass vielen Menschen nicht mehr klar ist, warum man SPD wählen sollte.

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Kühnert ist clever genug, um zu wissen, dass er mit solch verwegenen Vorstößen seiner Partei Profil verleiht, wenn die es denn zulässt. Es geht ihm aber auch um die inhaltliche Auseinandersetzung: Darüber, ob wir uns, was die Verteilungsgerechtigkeit angeht, noch auf dem richtigen Pfad befinden. Darüber, ob wir das eigentlich zulassen müssen, dass jemand in einer halben Stunde soviel verdient, wie andere in einem Jahr. Man muss in Sachen BMW-Vergemeinschaftung nicht mit Kühnert übereinstimmen.

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Und die deutsche Automobilindustrie plagen zurzeit gewiss ganz andere Sorgen als die Gewinne der Eigner. Aber die Wurzel des Gedankens hat Kraft – und wieder an Kraft gewonnen in Zeiten von Immobilienspekulationen und Steuersparmodellen einerseits sowie der Wohnungsnot und prekären Beschäftigungsverhältnissen andererseits. Die Zeit ist reif für eine neue Debatte ums Eigentum und die damit verbundene Verpflichtung. Und die sollte die SPD nicht dem Grünen Boris Palmer überlassen.