Berlin – Im Bemühen der SPD um einen neuen Doppel-Vorsitz wird die Luft an der Spitze immer dünner: Nach Olaf Scholz und Hubertus Heil hat mit Franziska Giffey ein drittes Kabinettsmitglied seinen Verzicht auf eine Kandidatur erklärt. Damit bleiben den Sozialdemokraten bisher Kandidaten, die nicht in der ersten Reihe stehen.

Neu im Rennen sind Gesine Schwan und Ralf Stegner, die zum SPD-Wahlparteitag Anfang Dezember zusammen satte 136 Jahre Lebenserfahrung auf die Bewerber-Waage bringen würden. Ralf Stegner feiert im Oktober seinen 60. Geburtstag, Schwan ist bereits 76 Jahrealt. Dennoch steuert sie auf ihre dritte große Bewerbungsrunde zu. 2004 und 2009 bewarb sich die Politikwissenschaftlerin und Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission vergebens um das Amt der Bundespräsidentin.

Hoffnungsträgerin dankt ab

Giffey tat ihre Absicht in einem Brief an die kommissarische SPD-Chefin Malu Dreyer kund. Die 41-Jährige war immer wieder als Hoffnungsträgerin für die gebeutelte Partei genannt worden. Giffey haftet seit ihrem Aufstieg von der Berliner Bezirksbürgermeisterin in Neukölln zur Ministerin der Ruf an, eine Problemlöserin zu sein. Viele Berliner sehen das zwar anders. Zumal die Freie Universität Berlin seit einigen Monaten ihre Doktorarbeit prüft. Giffey, so der Vorwurf, soll große Teile abgeschrieben haben. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) unter Berufung auf Parteikreise dazu berichtete, will sie ihr Amt als Familienministerin abgeben, falls die Uni ihr den Doktortitel aberkennt.

Nicht wenige SPD-Mitglieder wünschen sich, dass zumindest ein Mitglied der neuen Doppelspitze Regierungsverantwortung trägt. Damit kämen noch Justizministerin Christine Lambrecht, Umweltministerin Svenja Schulze und Außenminister Heiko Maas in Frage. Die Bewerbungsfrist läuft allerdings am 1. September ab.

Schwan und Stegner als ungleiches Paar

Am Ende könnten es Kandidaten wie Schwan und Stegner sein, die die Zukunft der SPD verkörpern. Ihre Bewerbungen sind an sich keine Überraschung. Beide hatten bereits signalisiert, ihre Hüte in den Ring werfen zu wollen. Aber Stegner wird dem linken Lager der SPD zugeordnet, Schwan mindestens links der bürgerlichen Mitte verordnet. Was genau die gebürtige Berlinerin und den Schleswig-Holsteiner dazu bewogen hat, sich zusammenzutun, werden sie am Freitag in der Berliner Bundespressekonferenz erklären.

Ob sie damit schon die Unterstützung aller Linken in der SPD hinter sich haben, ist ungewiss. Denn mit Karl Lauterbach bewirbt sich ein bekannter SPD-Abgeordneter um den SPD-Vorsitz. Der Gesundheitsexperte gehört mit seiner Co-Kandidatin Nina Scheer, die ebenfalls Bundestagsabgeordnete ist, der Parlamentarischen Linke der SPD an. Wie übrigens Michael Roth, Abgeordneter und Staatsminister im Auswärtigen Amt, der zusammen mit Christina Kampmann den Vorsitz anstrebt.

Wenige Tage vor Ende der Bewerbungsfrist füllt sich der SPD-Kandidatentopf zwar, aber eher mit sozialdemokratischer Magerkost. Neben Roth und Kampmann sowie Lauterbach und Scheer haben die Oberbürgermeister von Flensburg und Bautzen, Simone Lange und Alexander Ahrens, ihre Kandidatur erklärt. Hinzu kommen der Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums, Robert Maier, sowie der frühere SPD-Abgeordnete Hans Wallow.