Politische Organisationen sind eher träge. In der Praxis bedeutet das, dass auf Veränderungen meist nur mit großer Verzögerung und unter Druck reagiert wird. Ganz besonders gilt dies, wenn es um den Rückbau von überkommenen Strukturen geht. Deswegen muss der Kapazitätsabbau in der Flüchtlingsunterbringung genau beobachtet werden.

Als Kanzlerin Angela Merkel im Sommer 2015 die Grenzen für die Asylbewerber öffnen ließ, wurden Turnhallen belegt, Fabrikgebäude angemietet und viele Kasernen für die Erstaufnahme genutzt. Seit über einem Jahr sind aber die Zugangszahlen deutlich gesunken.

Wenn in Baden-Württemberg nur noch ein Drittel der Plätze in den Erstaufnahmeeinrichtungen belegt sind, drängt sich der Verdacht auf, dass die Behörden die Plätze zu langsam abbauen. Rheinland-Pfalz hat seine Plätze so angepasst, dass über 50 Prozent belegt sind. Auch der kurzfristig aktivierbare Puffer erscheint kostengünstiger als das baden-württembergische Modell.