Die „Bolivarische Revolution“

Der Sozialist Hugo Chávez, ein scharfer Kritiker Washingtons, wird am 2. Februar 1999 nach seinem Wahlsieg im Dezember als Präsident Venezuelas vereidigt. Sieben Jahre zuvor hatte er vergeblich versucht, sich an die Macht zu putschen und daraufhin zwei Jahre im Gefängnis verbracht.

Nach seinem Amtsantritt ruft Chávez die „bolivarische Revolution“ aus, benannt nach dem südamerikanischen Unabhängigkeitskämpfer Simón Bolívar. In den folgenden Jahren setzt er zahlreiche soziale Programme um und verstaatlicht Grund, Öl und Banken des von starker Ungleichheit geprägten Landes.

Versuchter Sturz

Nach Streiks im wichtigen Ölsektor organisieren Gewerkschaften im April 2002 Massenkundgebungen mit zehntausenden Beteiligten gegen Chávez, bei deren Niederschlagung 19 Menschen getötet werden. Der Präsident übersteht mithilfe des Militärs und massiver Gegenproteste einen Putschversuch. 2004 scheitert ein Referendum zu seiner Amtsenthebung. 2006 wird Chávez als Staatschef wiedergewählt.

Maduro folgt auf den verstorbenen Chávez

Der krebskranke Chávez wird 2012 ein letztes Mal wiedergewählt. Kritiker werfen ihm einen fragwürdigen Personenkult vor und beschreiben ihn als Autokraten – vor allem von den ärmeren Bevölkerungsschichten wird er aber verehrt, weil er den Ölreichtum des Landes für Sozialprogramme nutzte.

Am 5. März 2013 stirbt Chávez im Alter von 58 Jahren. Sein Vize Maduro gewinnt die folgende Präsidentschaftswahl knapp, am Ergebnis gibt es erhebliche Zweifel. Im November gibt das Parlament dem neuen Staatschef die Befugnis, ein Jahr per Noterlass zu regieren, um die Inflation und die Mangelversorgung zu bekämpfen.

Proteste und Gleichschaltung

2014 wird eine drei Monate andauernde Protestwelle mit Gewalt niedergeschlagen, 43 Menschen werden getötet, Oppositionsführer Leopoldo López wird zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt. Im März werden drei Generäle wegen eines „versuchten Staatsstreiches“ festgenommen, im Februar 2015 folgt die Festnahme des Bürgermeisters von Caracas. Im März verhängen die USA wegen Menschenrechtsverstößen Sanktionen gegen mehrere hochrangige Regierungsmitglieder. Maduro wird ermächtigt, mit Notdekreten gegen die „imperialistische Aggression“ aus Washington anzugehen. Im Dezember 2015 fallen die Ölpreise, die 96 Prozent der Staatseinnahmen ausmachen, auf ein Sieben-Jahres-Tief. Es kommt zu Engpässen bei Lebensmitteln und Medikamenten. Im selben Monat übernimmt die Opposition die Kontrolle über das Parlament.

Neue Proteste und umstrittene Wiederwahl Maduros

Am 1. April 2017 beginnt eine neue Welle der Proteste, in vier Monaten gibt es 125 Todesopfer. Maduro beruft eine verfassunggebende Versammlung ein. Im August entlässt diese die zur Oppositionellen gewordene ehemalige Chavistin und Generalstaatsanwältin Luisa Ortega und entmachtet das Parlament. Im Mai 2018 gewinnt Maduro die vom Großteil der Opposition boykottierte Präsidentschaftswahl. Es folgen neue Sanktionen der USA und der EU.

Die Wirtschaft bricht zusammen

Im Juli 2018 berechnet der Internationale Währungsfond (IWF) für Venezuela eine Inflationsrate von einer Million Prozent und einen Absturz des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 18 Prozent.

Widerstand gegen zweite Amtszeit

Das Parlament erklärt Maduros am 10. Januar 2019 beginnende zweite Amtszeit für illegitim und verspricht Militärangehörigen im Falle einer Meuterei Straffreiheit. Am 21. Januar verschanzen sich 27 Mitglieder der Nationalgarde in einer Kaserne im Norden Caracas' und rufen zum Widerstand gegen den Staatschef auf. Sie werden kurz darauf festgenommen. Am 23. Januar erklärt sich der oppositionelle Parlamentspräsident Juan Guaidó bei einer Demonstration selbst zum „amtierenden Präsidenten“ und fordert eine Übergangsregierung sowie freie Wahlen. Er wird von mehreren Ländern umgehend anerkannt, darunter von den USA. Maduro bezichtigt Washington daraufhin, einen „faschistischen Staatsstreich“ angezettelt zu haben. Am 2. Februar 2019, dem 20. Jahrestag der Machtübernahme durch Chávez, finden Massenkundgebungen von Anhängern der Opposition und der Regierung in Venezuela statt. (AFP)