Und wieder stößt die Türkei die Bundesregierung vor den Kopf. Kaum ist unter das Thema Incirlik ein für deutsche Verhältnisse dicker Schlussstrich gezogen, verweigert Erdogan Bundestagsabgeordneten kurzfristig auch den Besuch auf dem Nato-Stützpunkt Konya. Der Präsident aus Ankara weiß eben genau, wie er Kanzlerin Angela Merkel mit seinen Nadelstichen vor der Bundestagswahl in Schwierigkeiten bringen kann. Entweder sie setzt das Besuchsrecht bei der Bundeswehr durch oder sie zieht auch von hier die Soldaten ab – unbeantwortet jedenfalls kann Merkel den Affront nicht lassen.

Doch anders als beim Rückzug aus Incirlik wäre in Konya ohne die Bundeswehr ein wichtiger Einsatz gefährdet. Die Druckmittel aus Berlin sind also begrenzt. Erdogan wird seine Freude haben – ist er doch ein Jahr nach dem gescheiterten Putsch so mächtig wie nie. Dass er nicht nur im eigenen Land, sondern auch gegenüber einstigen Partner und nun innerhalb der Nato Gräben aufwirft, stört ihn nicht.