Über die 900 Kilometer lange Grenze mit dem südlichen Nachbarn sind in den vergangenen Jahren rund 3,5 Millionen Flüchtlinge in die Türkei geströmt. Die Terrormiliz IS hat bei Anschlägen in der Türkei Hunderte Menschen getötet. Syriens Staatschef Assad, den die Türkei bei Ausbruch des Krieges zum Hauptfeind erklärt hatte, wird sich vermutlich an der Macht halten können.

Doch nun ist die Türkei drauf und dran, sich selbst einen neuen Krisenherd an der Südgrenze zu schaffen, der auf Jahre hinaus für Ärger und Blutvergießen sorgen könnte. Die Militärintervention gegen die syrischen Kurden im Bezirk Afrin ist Ausdruck der Entschlossenheit von Präsident Erdogan, keine kurdische Autonomie in Syrien zuzulassen. Allerdings kann die Türkei nicht alleine entscheiden, was nach einem Ende des Krieges beim Nachbarn geschehen wird – insbesondere das Wort Russlands wird großes Gewicht haben.

Es ist deshalb durchaus möglich, dass in Nordsyrien eine kurdische Selbstverwaltung entsteht, die von der Türkei als Bedrohung der eigenen Sicherheit empfunden und bekämpft wird. Damit würde die lange Grenze zum Ort eines Dauerkonflikts, der auch nach einer Einstellung der Kämpfe im Rest von Syrien anhalten würde. Auch das Kurdenproblem in der Türkei selbst könnte sich dadurch verschärfen. Am Ende wäre die Türkei der große Verlierer des Syrien-Krieges.

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