Und wieder einmal trifft aller Voraussicht nach der alte Spruch zu: Es ist, als wenn Hühner im Freilandstall für Käfighaltung stimmen würden. Unter seinen Landsleuten im Ausland hat Staatspräsident Erdogan mehr Anhänger als zu Hause. Auf ihre Stimmen kann er bei seinem Vorhaben, die Türkei in einen Obrigkeitsstaat zu verwandeln, zählen. So wie die Fußballer Özil und Gündogan denken viele.

Aber eben nicht alle. Zu den fatalsten Nebenwirkungen von Erdogans Politik zählt, dass sie die türkische Minderheit in Deutschland spaltet und Unfrieden exportiert. Eine angstfreie Auseinandersetzung, wie sie in Demokratien selbstverständlich sein muss, kann so nicht stattfinden. Stattdessen gibt es Repressionen, Verdächtigungen, Verschwörungstheorien. Die Bundesregierung hat dem Treiben Ankaras lange genug zugesehen. Jetzt hat sie wenigstens die Auftritte von Erdogans Wahlkämpfern unterbunden. Spät genug.