Am Ende war er gar nicht weit gekommen. Chérif C. starb in dem Viertel, in dem er schon kurz nach der Tat vermutet wurde. Zwei Tage lang hatte der mutmaßliche Straßburger Attentäter die französische und deutsche Polizei in Atem gehalten. Hunderte Polizisten suchten im deutsch-französischen Grenzgebiet nach dem Mann, der in der weihnachtlichen geschmückten Straßburger Innenstadt das Feuer auf Menschen eröffnet hatte.

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Am Donnerstagabend machten drei Polizisten den mutmaßlichen Attentäter auf einer Straße im Stadtteil Neudorf aus. Sie wollten ihn verhaften, der 29-Jährige eröffnete das Feuer. Sekunden später war er tot - getötet von den Polizisten. Er starb wie seine Opfer - auf einer Straße in Straßburg.

Keine verstärkten Grenzkontrollen mehr

Nach dem Tod des Mannes gibt es keine zusätzlichen Kontrollen an den Grenzübergängen von Deutschland nach Frankreich mehr. Wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte, wurden die verstärkten Kontrollen in Baden-Württemberg landesweit eingestellt.

Drei Menschen haben bei dem blutigen Terroranschlag ihr Leben verloren. Ein Tourist aus Thailand, der gerade erst in der „Weihnachtshauptstadt“, wie sich Straßburg selbst nennt, angekommen war. Ein Franzose, der vor einem Restaurant auf seine Familie wartete. Ein Mann, der vor Jahren vor dem Krieg in Afghanistan geflohen war - er soll vor den Augen seiner Familie erschossen worden sein, wie die Regionalzeitung „Dernières Nouvelles d'Alsace“ schreibt.

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Ein weiteres Opfer ist hirntot, die Hirnfunktionen sind unwiderruflich ausgefallen. Nur mit Maschinen kann das Opfer noch am Leben gehalten werden. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Zeugen berichteten, der Angreifer habe „Allahu Akbar“ (Allah ist groß) gerufen.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron dankte den Sicherheitskräften für ihren Einsatz. „Danke an alle mobilisierten Dienste, Polizisten, Gendarmen und Soldaten“, schrieb Macron im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Nachdem der mutmaßliche Angreifer unschädlich gemacht wurde, dürfte in Straßburg wieder etwas Normalität einkehren. Am Freitag öffnete der Weihnachtsmarkt wieder. Die vielen Stände und Attraktionen in der Innenstadt waren nach dem Anschlag zunächst geschlossen geblieben.

Der französische Innenminister Christophe Castaner und der Straßburger Bürgermeister Roland Ries gingen am Freitagvormittag über den Markt in der Innenstadt und sprachen mit Verkäufern und Besuchern. Der Platz wurde abgesichert von Polizei und Soldaten. Hunderte Menschen kamen am Vormittag zur Eröffnung und schlenderten über den Markt. An den Buden konnte man wieder Glühwein und Essen kaufen.

Innenminister Christophe Castaner bei der Wiedereröffnung des Weihnachtsmarktes
Innenminister Christophe Castaner bei der Wiedereröffnung des Weihnachtsmarktes | Bild: SEBASTIEN BOZON (AFP)

Die Wiedereröffnung kündigte Innenminister Castaner bereits kurz vor der Nachricht vom Tod des mutmaßlichen Attentäters an. „Der Terrorist wird festgenommen werden“, sagte er vielversprechend. In den vergangenen Tagen herrschte in der Stadt am Rhein Ausnahmezustand. Die nur wenige Kilometer vom Zentrum entfernte Grenze nach Deutschland wurde scharf kontrolliert.

Großer Polizeieinsatz in Neudorf am Donnerstag

Erst am Nachmittag gab es einen Polizeieinsatz in Neudorf, Dutzende Polizeiwagen standen auf der Straße. Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte sicherten das Gebiet, Blaulicht überall. Nur wenige Stunden später war das Viertel nahe der Innenstadt wieder Schauplatz des Geschehens. Dort hatte sich der mutmaßliche Täter bereits unmittelbar nach dem Anschlag am Dienstagabend mit einem Taxi absetzen lassen und war danach verschwunden.

Menschen sollten das Viertel schon kurz nach der Tat auf Geheiß der Sicherheitskräfte meiden. Der Mann habe dort am Donnerstag eine Frau angesprochen, berichteten mehrere Medien. Diese habe bemerkt, dass der Mann verletzt gewesen sei und daraufhin die Sicherheitskräfte alarmiert. Der Sender BFMTV zeigte auch ein Foto, auf dem der Getötete zu sehen sein soll. Seine Leiche liegt auf dem Bürgersteig, teils in einer Art Hauseingang.

Nach dem Tod des Mannes sucht die Polizei zudem nach möglichen Komplizen. Die Ermittler wollten herausfinden, ob der 29-Jährige während seiner Flucht unterstützt worden sei, sagte der Pariser Antiterror-Staatsanwalt Rémy Heitz in Straßburg.

Nach Tod des Mannes: IS reklamiert die Tat für sich

Nur kurze Zeit später sicherten Menschen in weißen Schutzanzügen den Tatort vor dem Haus Nummer 74 in der Rue de Lazaret. Dutzende Polizeifahrzeuge standen dort, ein Hubschrauber kreiste in der Luft. „Dieser Terrorist ist tot“, versicherte Straßburgs Bürgermeister Roland Ries mit trotziger Stimme am Abend.

Fast gleichzeitig reklamierte die Terrormiliz Islamischer Staat den Terroranschlag für sich. Der Täter sei ein Soldat des IS gewesen. Mit seinem Tod endet nun nicht nur die Jagd der Polizei, sondern auch eine bemerkenswerte kriminelle Karriere.

Mit 13 Jahren wurde er das erste Mal verurteilt, er saß etliche Male wegen Einbrüchen im Gefängnis in Frankreich und Deutschland, unter anderem in Konstanz und Freiburg. Dort soll er sich radikalisiert haben. Deutsche Behörden bescheinigten ihm bereits vor zwei Jahren: „Von Ihnen geht auch eine konkrete Gefahr neuer Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung aus.“ (dpa)