Alle wahren ihr Gesicht: Der türkische Staatschef Erdogan kann behaupten, er habe sich nicht in die unabhängige Justiz eingemischt, die Richter ließen den amerikanischen Pastor Andrew Brunson zwar frei, verurteilten ihn aber zugleich als Terroristen, und US-Präsident Donald Trump kann sich loben, er habe hart und mit Erfolg an dem Fall gearbeitet.

Das hat er auch. Aber es bleibt ein übler Nachgeschmack. Die Gerichtsverhandlung zeigte: Die Verdachtsmomente gegen den Geistlichen Brunson waren so dürftig, dass er in einem normalen Rechtsstaat niemals angeklagt worden wäre. Brunson saß nicht als Terrorverdächtiger in Haft, sondern als Geisel. Schließlich hatte Erdogan selbst einen Austausch gegen seinen in den USA lebenden Erzfeind Fethullah Gülen angeboten. Erst unter dem Druck massiver Wirtschaftssanktionen ließ Erdogan von diesem Plan ab. Die Causa Brunson ist lehrreich. Sie zeigt: Es gibt eine Sprache, die Erdogan durchaus versteht.