Ausgetragen wurde der Streit zwischen Ankara und Berlin über weite Strecken öffentlich. An den chronologisch geordneten Aussagen dazu lässt sich ablesen, wie der Konflikt eskalierte - und wie sich beide Seiten ab dem Herbst um Entschärfung bemühten. Eine Auswahl von Zitaten:

Die Türkische Seite

«Von wegen, er ist der hiesige Vertreter der «Welt» und er wurde verhaftet. Nein, nicht deshalb. Einen Monat lang hat sich diese Person als Vertreter der PKK und als deutscher Agent im deutschen Konsulat versteckt.»

(Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am 3. März in Istanbul in seinen ersten öffentlichen Äußerungen zum Fall Deniz Yücel.)

«Auf keinen Fall, solange ich in diesem Amt bin niemals.»

(Erdogan am 13. April 2017 im Sender TGRT auf die Frage, ob eine Überstellung Yücels an Deutschland denkbar wäre.)

«Natürlich, auf jeden Fall. Uns liegt Bildmaterial und das alles vor. Das war ein richtiger Agent und Terrorist.»

(Erdogan am 13. April 2017 im Sender TGRT zu Vorwürfen, Yücel habe Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK gehabt.)

«Sie müssen wissen, dass unsere Justiz unabhängiger ist als ihre.»

(Erdogan am 21. Juli 2017 in Istanbul zu Forderungen Deutschlands nach einer Freilassung Yücels und anderer Bundesbürger.)

«Der Fall Yücel wurde in Deutschland aufgebauscht. Die türkische Öffentlichkeit interessiert sich nicht für ihn. Für uns ist er ein türkischer Staatsbürger, der sich wegen Verdachts auf eine Straftat in Haft befindet. Die Justiz entscheidet über seine Schuld oder Unschuld. Je früher es zu einem Prozess kommt, desto besser.»

(Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu in einem am 7. Oktober 2018 veröffentlichten «Spiegel»-Interview.)

«Auch ich bin nicht sehr glücklich darüber, dass es noch immer keine Anklage gibt.»

(Cavusoglu in einem am 1. Januar 2018 veröffentlichten dpa-Interview zur Frage, warum immer noch keine Anklageschrift vorliegt.)

«Ich versichere Ihnen, Deniz Yücel ist kein politisch motivierter Fall.»

(Cavusoglu am 10. Januar 2018 in Antalya.)

«Ich hoffe, dass er in kurzer Zeit freigelassen wird. Ich bin der Meinung, dass es in kurzer Zeit eine Entwicklung geben wird.»

(Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim in einem am 14. Februar - dem Jahrestag von Yücels Festnahme - ausgestrahlten Interview der ARD-Tagesthemen.)

 

Die Deutsche Seite

«Diese Maßnahme ist unverhältnismäßig hart, zumal Deniz Yücel sich der türkischen Justiz freiwillig gestellt und für die Ermittlungen zur Verfügung gestellt hat.»

(Bundeskanzlerin Angela Merkel am 27. Februar 2017, dem Tag, an dem in Istanbul Untersuchungshaft gegen Yücel verhängt wurde.)

«Wir alle setzen uns mit großem Nachdruck dafür ein, dass Deniz Yücel so schnell wie möglich frei kommt und dass es zu einer guten Lösung kommt - für Deniz Yücel, für die Presse- und Meinungsfreiheit, aber auch für das deutsch-türkische Verhältnis, denn das steht gerade vor einer seiner größten Belastungsproben in der Gegenwart.»

(Bundesaußenminister Sigmar Gabriel am 28. Februar 2017 zur Inhaftierung Yücels.)

«Respektieren Sie den Rechtsstaat und die Freiheit von Medien und Journalisten! Und geben Sie Deniz Yücel frei!»

(Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 22. März 2017 im Bundestag an die Adresse Erdogans.)

«Die Fälle von Peter Steudtner, Deniz Yücel und Frau Tolu stehen beispielhaft für die abwegigen Vorwürfe von Terrorpropaganda, die offensichtlich nur dazu dienen sollen, jede kritische Stimme in der Türkei zum Schweigen zu bringen, derer man habhaft werden kann - auch Stimmen aus Deutschland.»

(Gabriel am 20. Juli 2017 in Berlin zu deutschen Gefangenen.)

«Weil die Türkei, nach meiner Einschätzung, ihn als Geisel in Gefangenschaft hält.»

(Gabriel in einem am 16. August 2017 veröffentlichten Interview mit Buzzfeed zur Frage, warum Yücel noch nicht frei ist.)

«Es ist ein erstes Zeichen der Entspannung, denn die türkische Regierung hat alle Zusagen eingehalten. Nun müssen wir weiter an der Freilassung der anderen Inhaftierten arbeiten.»

(Gabriel am 26. Oktober 2017 nach der Freilassung des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner aus türkischer U-Haft und nach Berichten, wonach Altkanzler Gerhard Schröder dabei vermittelt hat.)

«Jetzt kommt es darauf an, dass für Deniz Yücel endlich eine belastbare Anklageschrift vorgelegt wird, damit man wirklich das Verfahren beginnen kann.»

(Gabriel am 18. Dezember 2017 nach der Freilassung der deutschen Journalistin Mesale Tolu aus türkischer Untersuchungshaft.)

«Immerhin ist seine Einzelhaft beendet. Auch hier hat die türkische Justiz auf unsere Bitten hin reagiert.»

(Gabriel in einem am 5. Januar veröffentlichten «Spiegel»-Interview zum Fall Yücel.)

«Ich kann nur sagen, dass wir über alle Themen geredet haben, auch über sehr schwierige Themen, dazu gehört der sicher auch. Da können Sie sicher sein.»

(Gabriel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz nach einem Treffen mit Cavusoglu in Goslar am 6. Januar auf die Frage, ob er etwas zum Fall Yücel sagen könne.)

«Ich kann nur sagen: Es gibt doch gar keinen Anlass dafür.»

(Gabriel am 17. Januar in Berlin als Reaktion auf Aussagen Yücels, der in einem dpa-Interview einen etwaigen Tauschhandel zwischen Berlin und Ankara für seine Freilassung mit den Worten abgelehnt hatte: «Für schmutzige Deals stehe ich nicht zur Verfügung.»)

«Ich bin relativ optimistisch, dass wir doch jetzt bald zu einer Gerichtsentscheidung kommen. Und ich hoffe natürlich, dass die positiv für Deniz Yücel ausgeht.»

(Gabriel am 15. Februar bei einem Besuch in Belgrad, nachdem die türkische Regierung Bewegung in dem Fall signalisiert hatte.)