Die Türkisch-Islamische Union Ditib hat wirklich alles dafür getan, damit sich Recep Tayyip Erdogan in ihrem Moschee-Komplex in Köln-Ehrenfeld wie zuhause fühlen kann. Zu Beginn seines Auftritts wird Musik wie bei einer seiner Parteiveranstaltungen eingespielt, Applaus ertönt von einem handverlesenen Publikum. Und doch: Die offizielle Moschee-Eröffnung ist wohl nicht ganz das, was sich die Veranstalter vorgestellt hatten.

Eine Demonstrantin hältein Schild mit der Aufschrift "Erdogan not welcome" (Erdogan nicht willkommen). Der Besuch des türkischen Präsidenten bietet viel Diskussionsstoff zwischen Deutschen und Deutsch-Türken. Und nicht nur das: Auch die türkische Gemeinschaft ist gespalten.
Eine Demonstrantin hält ein Schild mit der Aufschrift "Erdogan not welcome" (Erdogan nicht willkommen). | Bild: Oliver Berg

Denn eigentlich hatte die Ditib vor dem Kuppelbau eine Fahnen schwenkende Menge vorgesehen. Wegen erheblicher Sicherheitsbedenken hat die Stadt Köln diese Außenveranstaltung jedoch abgesagt. Zwar sind Erdogans Anhänger dennoch zu Tausenden gekommen, aber man kann sie nur in der Ferne hören und nicht sehen. Die Straße direkt vor der Moschee hingegen ist weitgehend leer gefegt – bis auf Polizisten und Journalisten. Auf den Dächern stehen Scharfschützen.

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Zur Eröffnung der Moschee waren wegen des gescheiterten Sicherheitskonzepts nur geladene Gäste zugelassen. Ein großes Aufgebot an Polizisten sperrte die Umgebung für die zahlreichen Anhänger Erdogans und Gegendemonstranten. | Bild: SASCHA SCHUERMANN (AFP)

Dem türkischen Präsidenten kann an diesem letzten Tag seines frostig verlaufenen Staatsbesuchs eigentlich nicht entgehen, dass er vielen Menschen in Deutschland nicht willkommen ist. Seine Ankunft in Köln am Mittag fällt ausgesprochen unglamourös aus. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) begrüßt den Gast, zudem haben sich 20 Polizisten zu einem „Ehrenspalier“ aufgestellt. Eigentlich hatten sich Laschet und Erdogan für ein kurzes Gespräch auf das nahe Schloss Wahn zurückziehen wollen. Da die Schlossbesitzer Erdogan aber politisch ablehnen, verweigerten sie sich den Plänen. Folge: Die beiden Männer unterhalten sich im ausgesprochen engen „VIP-Raum 2“ direkt im Flughafen. „Die Muslime, die in diese Moschee gehen, sind auch Bürger unseres Landes. Und wir sind auch deren Ansprechpartner – und nicht der türkische Präsident“, sagt Laschet anschließend enttäuscht in die Mikrofone.

North Rhine-Westphalia's State Premier (CDU) Armin Laschet (L) and Turkish President Recep Tayyip Erdogan shale hands prior talks at Cologne's airport, on September 29, 2018 in Cologne, where Erdogan is to inaugurate the Central Mosque, one of Europe's largest. - The inauguration will be the closing event of the three-day state visit of Turkish President Recep Tayyip Erdogan, aimed at repairing frayed ties with Berlin after two years of tensions. (Photo by Rolf Vennenbernd / POOL / AFP)
rmin Laschet (l, CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, und Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, kommen auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln/Bonn in Köln-Wahn zu Gesprächen zusammen. | Bild: dpa

Erdogans Wagenkolonne rauscht anschließend durch gesperrte Kölner Straßen nach Ehrenfeld. Die Türkisch-Islamische Union Ditib, die weithin als verlängerter Arm der Regierung in Ankara gilt, hat eben hier ihre Zentralmoschee errichtet. Doch der Eröffnung dürfen nach der ablehnenden Entscheidung der Stadt Köln nur ein paar Hundert geladene Gäste im Innenhof beiwohnen. Die Erdogan-Anhänger ein paar Straßenzüge weiter sind enttäuscht. Seit dem Vormittag schwenken sie ihre Fahnen mit dem türkischen Halbmond oder dem Gesicht Erdogans. 20 000 Menschen hat der Besuch nach Polizeiangaben auf die Straßen gebracht, unter ihnen Anhänger und Kritiker des türkischen Politikers. Die Polizei spricht später zwar von einer „harten Probe“, auf die sie der Besuch gestellt habe. Die Lage bleibt insgesamt jedoch relativ ruhig.

Ein Meer von roten Fahnen: Erdogan-Anhänger feiern in Köln den Besuch des türkischen Präsidenten. Zugleich gingen Gegendemonstranten auf die Straße.
Ein Meer von roten Fahnen: Erdogan-Anhänger feiern in Köln den Besuch des türkischen Präsidenten. Zugleich gingen Gegendemonstranten auf die Straße. | Bild: Christophe Gateau

Auf dem Innenhof der Moschee läuft die Eröffnungsfeier. Gesprochen wird in erster Linie Türkisch, der Ditib-Vorsitzende Nevzat Asikoglu redet allerdings auch auf Deutsch. Er dankt dem früheren Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) und dem Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Josef Wirges (SPD), zwei Lokalpolitikern, die sich mit großem Engagement für den Bau der Moschee eingesetzt haben. An diesem wichtigen Tag fehlen sie – aus Protest, weil sie selbst nicht das Wort ergreifen durften. Das Gleiche gilt für den Architekten Paul Böhm.

Erdogan, Präsident der Türkei, kommt zur Eröffnung der DITIB-Zentralmoschee.
Erdogan, Präsident der Türkei, spricht zur Eröffnung der DITIB-Zentralmoschee. Zahlreiche Politiker und Förderer der Moschee blieben der Zeremonie aus Protest fern. | Bild: Henning Kaiser (dpa)

Als Erdogan das Wort ergreift, schießen die Handys in die Höhe. Man muss kein Türkisch verstehen, um mitzubekommen, dass er ein Redner ist, der sein Publikum gefangen nehmen kann. Er spricht mal lauter, mal leiser. Mitunter wiederholt er einzelne Sätze oder Begriffe. An einigen Stellen ereifert er sich dermaßen, dass sich seine Stimme leicht überschlägt. Aus dem Publikum kommen Applaus und mitunter Rufe der Zustimmung.

Anhänger von Recep Tayyip Erdogan ziehen vor dem Besuch des Staatsoberhauptes durch die Straßen an der Zentralmoschee und schwenken Fahnen mit dem Bild des des türkischen Präsidenten.
Anhänger von Recep Tayyip Erdogan ziehen vor dem Besuch des Staatsoberhauptes durch die Straßen an der Zentralmoschee und schwenken Fahnen mit dem Bild des des türkischen Präsidenten.

Erdogan vertritt die Meinung, dass sein Deutschland-Besuch durchaus ein Erfolg gewesen ist. Auch auf den Fall Özil kommt er zu sprechen. Dass der Ex-Nationalspieler und sein Nationalmannschaftskollege Ilkay Gündogan „aus der Gesellschaft ausgegrenzt worden“ seien, nur weil sie ein Foto mit ihm gemacht hätten, „dafür habe ich kein Verständnis“.

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Beton, Glas und Holz bestimmen die skulpturale Architektur der Moschee, die von einer 36,5 Meter hohen transparenten Kuppel überspannt und von zwei 55 Meter hohen, gewundenen Minaretten flankiert wird. Sechs geschwungene Betonschalen fassen die großen, gläsernen Flächen ein, die eine offene und lichtdurchflutete Architektur entstehen lassen. | Bild: PATRIK STOLLARZ (AFP)

Ganz am Ende der Zeremonie gibt es einen besonderen Moment: Die großen hölzernen Türen des Gotteshauses schwingen auf, dazu erklingt eine leise Melodie. An dieser Stelle bekommt man eine Ahnung davon, wie die Eröffnung der großen Ehrenfelder Moschee auch hätte verlaufen können.