Die beeindruckenden Bilder des historischen Treffens von Donald Trump und Kim Jong Un standen in krassem Gegensatz zum Krieg der Worte, den beide Staatschefs seit Längerem ausgefochten hatten. Es gab freundliche Gesichter, Hände auf dem Rücken des Gegenüber – und die Aufnahmen von den amerikanischen und nordkoreanischen Flaggen nebeneinander.

Ob diese für die Geschichtsbücher inszenierte Symbolik auch für eine wirkliche Annäherung der beiden Nationen steht und zu einer "großartigen Beziehung" führt, wie es Trump prophezeit? Zu einer neuen Ära des Vertrauens? Einmal mehr sieht die Welt eine höchst unerwartete und atemberaubend schnelle Entwicklung, an die viele bis vor Kurzem nicht geglaubt hatten.

Kim benutzte deshalb gestern zu Recht auch den "Science Fiction"-Vergleich. Nun hat Diplomatie heftiges Säbelrasseln abgelöst. Man habe vereinbart, die Vergangenheit hinter sich zu lassen – diese Aussage Kims hat wohl das größte Gewicht. Und der US-Präsident sprach von einer besonderen Verbindung zu Kim – man werde sich viele Male in der Zukunft treffen. Dazu zählt auch die bis vor kurzem noch unvorstellbare Einladung des Diktators ins Weiße Haus.

US-Präsident Donald Trump als potenzieller Friedensstifter, der Nordkoreaner Kim Jong Un als globaler Staatsmann. Für beide Kontrahenten hat die jüngste Entwicklung höchst erwünschte PR-Vorteile. Doch die harte Arbeit beginnt nun. Nicht das erste Mal hat das Regime in Pjöngjang – wie es jetzt Kim im Abschluss-Dokument tat – eine nukleare Abrüstung versprochen und die Zusage dann gebrochen. Dass in der Vereinbarung kein Zeitrahmen und keine konkreten Schritte außer Folge-Treffen der beiden Länder festgeschrieben wurden, ist eine der großen Schwächen des Papiers. So schnell wie möglich – diese von Trump formulierte Definition ist so dehnbar wie es Nordkorea wünscht, und folgt im Prinzip dem Wunschdenken der US-Vertreter. Auch die Verifizierungs-Bedingungen wurden bei der offensichtlich mit heißer Nadel gestrickten Erklärung nicht vertieft, was Kim freuen dürfte. Mit dem Ende der gemeinsamen "provokativen Kriegsspiele" (Trump) – sprich Militärmanöver mit Südkorea – kommt nun Washington Nordkorea ebenfalls überraschend weit entgegen, auch in der verbalen Charakterisierung dieser Übungen.

Unterm Strich ist es gut, dass vorerst die Sanktionen beibehalten werden – denn noch existiert kein überzeugender Beleg dafür, dass es der nun so von Trump deutlich aufgewertete Kim auch wirklich mit seinen Zusagen ernst meint und von der Lügen-Taktik seiner Vorfahren konsequent abweicht. Die Gefahr ist nun allerdings auch, dass Nordkoreas "Schutzmacht" China Sanktionen aufweicht, bevor Kim Leistungen erbringt. Dennoch sind die Ereignisse von Singapur natürlich wesentlich besser als die bekannten Konfrontationsgebärden – und zumindest ein Anfang.

Riskante erste Schritte

Donald Trump wird allerdings aller Voraussicht nach auch lernen, dass seine deutlich spürbare Gipfel-Euphorie eine kurze Halbwertzeit hat. Der US-Präsident setzt mit riskanten ersten Schritten enorm viel Vertrauen in Kim, ohne dass es bisher klare Indizien dafür gibt, das es Nordkoreas Führung mit einer vollständigen Denuklearisierung ernst meint.

Auch wird Trump beim Thema Menschenrechte offensichtlich nur vom Prinzip Hoffnung getragen, dass es positive Veränderungen geben wird. Diese Frage wurde bewusst zurück gestellt, die Nukleardebatte hat wie erwartet alles überschattet – und der Versuch, freundlich miteinander umzugehen. Trump und Kim haben somit das nötigste getan, um den Gipfel als Erfolg erscheinen zu lassen – und existierende Spannungen trotz vieler Fragezeichen offensichtlich etwas abgebaut. Und das wiederum ist eine gute Nachricht für die Welt.