Großbritannien ringt schon seit Jahren um den richtigen Weg aus der Europäischen Union. Das Chaos um den Brexit brachte die bisherige Regierungschefin Theresa May zu Fall. Nun muss ihr Nachfolger den EU-Austritt meistern.

2016

23. Juni - Ja zum Brexit Bei einem Referendum spricht sich eine knappe Mehrheit von 51,9 Prozent der Briten für den EU-Austritt Großbritanniens aus.

24. Juni – Cameron tritt zurück Einen Tag später tritt Premierminister David Cameron zurück. Er hatte für den EU-Verbleib geworben.

13. Juli – Brexit-Befürworter übernehmen Regierungsämter Theresa May wird Premierministerin. Sie setzt den Austrittsbefürworter David Davis als Brexit-Minister ein. Der Wortführer des Brexit-Lagers, Boris Johnson, wird Außenminister.

2017

29. März – Offizielle Austrittserklärung London reicht in Brüssel den Austrittsantrag ein. Damit beginnt die zweijährige Frist bis zum 29. März 2019, in der beide Seiten die Details des Brexits aushandeln wollen.

8. Juni – Verlorene Mehrheit Auf Mays Initiative hin finden vorgezogene Neuwahlen statt. Ihre Konservative Partei verliert die Mehrheit im Parlament und ist nun auf die Unterstützung der nordirischen DUP angewiesen.

8. Dezember – Erste Brexit-Vereinbarungen London und Brüssel einigen sich auf drei Hauptbereiche für die Trennung: Großbritanniens Finanzverpflichtungen an die EU, die Rechte von EU-Bürgern und die künftige Grenzregelung zwischen Irland und Nordirland.

2018

6. Juli - Wichtige Minister treten zurück May bekommt von ihrem Kabinett grünes Licht, eine „Freihandelszone“ mit der EU anzustreben, die eine enge Verbindung auch nach dem Brexit bedeuten würde. Die Brexit-Hardliner Davis und Johnson treten aus Protest zurück.

13. November - Einigung auf Vertragsentwurf Die britische Regierung verkündet die Einigung auf einen Entwurf für den Austrittsvertrag. Daraufhin treten vier weitere Minister aus Mays Kabinett zurück. Die EU verabschiedet das Abkommen am 25. November.

2019

15. Januar – Unterhaus lehnt Vertrag ab Das Unterhaus lehnt das Brexit-Abkommen ab. Labour-Chef Jeremy Corbyn stellt einen Misstrauensantrag gegen die Regierung, den May knapp übersteht.

12. März – Erneute Ablehnung des Brexit-Vertrags Das Unterhaus stimmt erneut mit großer Mehrheit gegen das Brexit-Abkommen, obwohl May weitere rechtlich bindende Zusagen der EU zu der umstrittenen Grenzregelung für Nordirland erhalten hatte.

14. März - Votum für Verschiebung Mit klarer Mehrheit stimmen die Londoner Abgeordneten für eine Verschiebung des Brexits. Tags zuvor hatten sie einen harten Brexit abgelehnt.

21. März – EU billigt Verschiebung Bei einem EU-Gipfel wird das Brexit-Datum auf den 12. April verschoben. Bis dahin muss Großbritannien klären, ob es noch länger in der EU bleibt und dann auch an der Europawahl Ende Mai teilnimmt.

27. März – Unterhaus sucht vergeblich nach Brexit-Ausweg Die britischen Abgeordneten befassen sich mit acht Vorschlägen für einen Ausweg aus der verfahrenen Situation – etwa einem harten Brexit, einem zweiten Referendum oder einer Zollunion mit der EU. Kein Vorschlag findet eine Mehrheit.

29. März – Brexit-Vertrag fällt zum dritten Mal durch Das Parlament stimmt zum dritten Mal gegen das Brexit-Abkommen. May hatte zuvor ihren vorzeitigen Rücktritt als Premierministerin versprochen, wenn das Unterhaus dem Abkommen zustimmt.

2. April – May geht auf Opposition zu May bietet Oppositionsführer Corbyn an, gemeinsam einen Brexit-Plan zu entwickeln.

11. April - „Flexible“ Verschiebung Die EU und Großbritannien einigen sich bei einem Sondergipfel auf eine „flexible“ Verschiebung des Brexits bis zum 31. Oktober. Sie ermöglicht einen früheren Austritt, wenn die Briten dies wünschen.

17. Mai - Labour bricht Gespräche ab Corbyn beendet die Gespräche mit May ohne Ergebnis.

21. Mai - Mays letztes Manöver May versucht nochmals auf die Labour-Partei zuzugehen, und stellt ein weiteres Referendum über den EU-Austritt in Aussicht. Brexit-Hardliner sind empört.

22. Mai – Weiterer Rücktritt schwächt May Mays Ministerin für Parlamentsangelegenheiten, Andrea Leadsom, wirft aus Protest gegen den Brexit-Kurs das Handtuch.

23. Mai – EU-Wahl in Großbritannien Anders als geplant nimmt Großbritannien an der Europawahl teil.

24. Mai - May gibt auf und kündigt Rücktritt an May gibt angesichts des breiten Unmuts über ihren Brexit-Kurs bekannt, dass sie als Parteichefin der Konservativen zurücktreten wird. Damit wird sie in der Folge auch ihr Amt als Regierungschefin aufgeben.

26. Mai – Niederlage für Mays Tories Die Auszählung der Stimmen zur Europawahl ergibt eine krachende Niederlage für Mays Tories: Sie kommen nur auf 8,85 Prozent, die neue Brexit-Partei von EU-Gegner Nigel Farage wird mit 30,75 Prozent stärkste Kraft.

7. Juni – May ist nicht mehr Tory-Chefin May gibt den Parteivorsitz auf, bleibt aber als Regierungschefin im Amt, bis ihre Nachfolge geregelt ist. Um das Thema Brexit kümmert sie sich seither nicht mehr.

10. Juni – Zehn Kandidaten bewerben sich um May-Nachfolge Zehn Kandidaten haben sich offiziell um die Nachfolge von May als Parteivorsitzende beworben – acht Männer und zwei Frauen. Gleich zu Beginn gelten der frühere Außenminister Johnson und der amtierende Außenminister Jeremy Hunt als Favoriten.

13. Juni – Tories starten Auswahlverfahren Die konservativen Abgeordneten beginnen das aufwändige Auswahlverfahren unter den zehn Bewerbern. Gleich in der ersten Abstimmungsrunde scheiden drei Kandidaten aus, weil sie nicht genügend Stimmen erhalten. Johnson siegt deutlich.

18. Juni - Johnsons Siegeszug geht weiter Der Brexit-Hardliner behauptet sich auch in der zweiten Wahlrunde der Abgeordneten. Bei einer anschließenden TV-Debatte pocht Johnson auf einen Brexit bis zum 31. Oktober. Auf die Frage, wer einen EU-Austritt Großbritanniens zum 31. Oktober „garantieren“ könne, hoben aber weder er noch seine vier Rivalen die Hand.

20. Juni – Johnson und Hunt setzen sich durch Es folgen am 19. und 20. Juni noch weitere Wahlrunden, bevor Johnson und Hunt als Spitzenreiter feststehen und in die entscheidende Etappe des Mitgliedervotums einziehen.

22. Juni – Erster Wahlkampfauftritt vor der Basis Johnson und Hunt stellen sich in Birmingham erstmals bei einem Auftritt der Parteibasis, weitere dieser Termine im ganzen Land folgen. Die Entscheidung über den künftigen Vorsitzenden liegt nun bei den 160.000 Mitgliedern.

6. bis 8. Juli – Urabstimmung beginnt Die Wahlzettel werden an die Mitglieder der Konservativen verschickt. Sie können sofort beginnen, sie auszufüllen.

9. Juli – TV-Duell der Widersacher Johnson und Hunt liefern sich einen harten Schlagabtausch bei einem Fernsehduell. Hunt wirft Johnson vor, beim Brexit nichts als „blinden Optimismus“ zu bieten. Johnson entgegnet, er wolle Großbritannien seine „besonderen Kräfte“ zurückgeben und das Land aus dem „Hamsterrad des Schicksals“ befreien.