Herr Strobl, Ihr Landesverband Baden-Württemberg hat sich im Vorfeld des Parteitags sehr für Friedrich Merz eingesetzt. Wie enttäuscht sind Sie, dass er die Wahl nicht gewonnen hat?

Es gab viele in Baden-Württemberg, die sich Friedrich Merz als neuen CDU-Vorsitzenden gewünscht hätten, freilich hatte Annegret Kramp-Karrenbauer Unterstützung anderer und auch Jens Spahn hatte seine Anhänger. Das war keine homogene Lage. Insgesamt ist es ja ein sehr knappes Ergebnis gewesen, was damit zusammenhängt, dass wir eine Kandidatin und zwei Kandidaten auf extrem hohem Niveau hatten. Wenn es ein so knappes Ergebnis gibt, hat das zwangsläufig zur Folge, dass es auch Enttäuschte gibt. Das kann ich gut nachvollziehen. Die und deren Erwartungen gilt es jetzt einzubeziehen. Das muss und wird geschehen. Die neu gewählte Bundesvorsitzende ist eine sehr kluge Frau, die man keinesfalls unterschätzen darf.

Ist das knappe Ergebnis Ausdruck einer Spaltung der Partei? Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz stehen ja für sehr unterschiedliche Positionen.

Nein. Herausragender Wettbewerb auch mit unterschiedlichen Akzentuierungen und Profilen ist doch positiv und nicht gleich eine Spaltung. Mein Eindruck ist ein ganz anderer: Dieser harte, aber faire Wettbewerb hat der CDU gut getan und tut ihr gut. Ich gehe sogar einen Schritt weiter: Er ist stilbildend für unsere Demokratie in Deutschland.

War es im Rückblick richtig, dass sich Wolfgang Schäuble so stark für Friedrich Merz gemacht hat?

Hat er ihm damit eher geschadet als genutzt? Das glaube ich nicht. Ich kann aber auch nicht garantieren, dass es Friedrich Merz genutzt hat. Klar ist aber auch: Es ist das unbestrittene Recht eines jeden Delegierten – und damit auch das Recht von Wolfgang Schäuble – seine Meinung zu sagen. Und wenn sich jemand dazu entscheidet, seine Meinung nicht zu äußern, ist das übrigens auch in Ordnung.

Was bedeutet die Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer für die CDU? Ist das eher ein Signal für ein Weiter-so? Oder muss sie Impulse für einen Neuanfang setzen, den viele Delegierte mit der Wahl von Merz zum Ausdruck brachten?

Wenn wir nach 18 Jahren erfolgreicher Arbeit von Angela Merkel an der Spitze der CDU jetzt eine neue Parteichefin bekommen, wird das auch ein Neuanfang sein. Annegret Kramp-Karrenbauer ist ja kein Abziehbild von Angela Merkel. Sie ist eine eigenständige Persönlichkeit, eine starke und sehr kluge Frau, die ihre eigenen Akzente setzen und ihren eigenen Kurs abstecken wird. Davon bin ich fest überzeugt.

Muss AKK nun auf die Wirtschaftsliberalen und Konservativen zugehen?

Eindeutiges Ja. Und ich bin überzeugt, dass sie es so sieht wie ich, dass nämlich Führung vor allem Integration bedeutet. Das hat sie auch in ihren vielfältigen politischen Ämtern etwa als Innenministerin, Ministerpräsidentin und Generalsekretärin unter Beweis gestellt. Sie besitzt die notwendige Kompetenz zur Integration und die Fähigkeit zum Zusammenführen. Und es kann freilich nicht sein, dass die knappe Hälfte der Delegiertenstimmen unter dem Tisch verschwindet.

Sollte Frau Kramp-Karrenbauer nun ins Bundeskabinett?

Diese Forderung würde ich derzeit nicht erheben – wir haben ja eine Regierung. Ich wünsche mir, dass sie als Bundesvorsitzende ihre eigenen Akzente setzt und einen Beitrag dazu leistet, dass Tatkraft und Handlungskompetenz der Regierung auch in den Augen der Öffentlichkeit verstärkt zur Geltung kommen.

Fragen: Martin Ferber

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