Das Verhältnis der Türkei und der USA ist schon länger angespannt, doch die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump zur Verhängung von Strafzöllen auf türkischen Stahl und Aluminium bedeutet einen neuen Tiefpunkt in den Beziehungen. Hintergrund für den Schritt, der die türkische Lira am Freitag auf ein Rekordtief abstürzen ließ, ist der Streit um die Inhaftierung des US-Pastor Andrew Brunson. Zwar ist dies der wichtigste, aber bei weitem nicht der einzige Streitpunkt zwischen den Nato-Partnern.

PROZESS GEGEN US-PASTOR BRUNSON Trump und sein Vize Mike Pence dringen bereits seit Monaten auf die Freilassung des evangelikalen Geistlichen, der seit Oktober 2016 unter dem Vorwurf der Spionage und der Unterstützung der PKK und der Gülen-Bewegung in türkischer U-Haft sitzt. Vergangene Woche verhängte Trump deshalb Sanktionen gegen die türkischen Minister des Inneren und der Justiz, bevor er nun eine Verdopplung der Zölle auf Aluminium und Stahl aus der Türkei beschloss. Die Türkei betont in dem Fall die Unabhängigkeit der Justiz, doch hatte Erdogan im September 2017 vorgeschlagen, Brunson gegen Fethullah Gülen auszutauschen.

AUSLIEFERUNG VON FETHULLAH GÜLEN Seit dem gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 dringt die Türkei auf die Auslieferung des im US-Exil lebenden, islamischen Predigers, den sie für den Umsturzversuch verantwortlich macht. Zur Empörung Ankaras haben die US-Behörden bisher keine rechtlichen Schritte gegen den umstrittenen Prediger unternommen, der seit 1999 in Pennsylvania lebt. Laut Washington hat die Türkei keine gerichtsfesten Beweise für die Schuld Gülens vorgelegt.

US-PROZESS GEGEN HALKBANK In den Medien wurde auch über einen Austausch Brunsons gegen den in den USA inhaftierten türkischen Banker Mehmet Hakan Atilla spekuliert. Der Vizechef der staatlichen Halkbank war im Mai von einem New Yorker Gericht wegen Verstößen gegen die US-Iran-Sanktionen zu 32 Monaten Haft verurteilt worden. Der Halkbank droht zudem wegen ihrer Rolle in den Iran-Geschäften des Geschäftsmanns Reza Zarrab eine saftige Geldstrafe.

INHAFTIERUNG WEITERER US-BÜRGER Neben dem Brunson-Prozess sorgt auch die Verfolgung mehrerer weiterer US-Bürger in der Türkei für Streit, darunter der Nasa-Wissenschaftler Serkan Gölge und mehrere Ortskräfte der US-Botschaft. Nach der Festnahme eines türkischen Mitarbeiters des Istanbuler US-Konsulats im Oktober setzten die USA die Visa-Vergabe aus, woraufhin die Türkei es ihnen gleichtat. Erst Ende Dezember konnte der Streit beigelegt werden.

US-MILITÄRHILFE FÜR SYRISCHE KURDEN Die Türkei ist ihrerseits verärgert über die Unterstützung der USA für die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Nordsyrien, die Ankara wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Bedrohung ansieht. Trotz des Drängens der Türkei halten die USA an der Militärhilfe für die YPG fest, die sie als schlagkräftigen Partner im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) schätzen.

KAUF VON RUSSISCHEN S400-RAKETEN Die USA sind alarmiert über Pläne der Türkei zum Kauf von russischen Flugabwehrraketen vom Typ S400. Washington fürchtet eine Hinwendung ihres Nato-Partners zu Moskau. Es besteht konkret die Sorge, dass das russische Militär damit wichtige Informationen zu Nato-Flugbewegungen erhält. Ankara begründete die Entscheidung für die russischen Waffen damit, dass die USA ihr keine Patriot-Raketen verkaufen wollten.

LIEFERUNG VON F35-KAMPFFLUGZEUGEN Wegen des Brunson-Prozesses und des Streits um die S400-Raketen entschied der US-Kongress vergangene Woche, die Lieferung von F35-Kampfflugzeugen an die Türkei für 90 Tage auszusetzen, bis das Pentagon einen Bericht zu den Risiken des S400-Kaufs durch die Türkei vorgelegt hat. Ankara ist empört über die Entscheidung, da die Türkei seit Jahrzehnten an dem Programm zur Entwicklung des Kampfjets beteiligt ist.