Der Zustand der baden-württembergischen CDU lässt sich gut mit einem Zitat des Dichters Bert Brecht beschreiben. „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen“, lässt er den guten Menschen von Sezuan sagen. So ähnlich ist das mit der CDU und dem Streit um eine Reform des Wahlrechts, der sich öffentlich zu einer Machtprobe zwischen Landeschef Strobl und Fraktionschef Reinhart ausgewachsen hat.

Erst allmählich dämmert den Abgeordneten, was sie mit der Abstimmung angerichtet haben. Diese Betroffenheit ist allerdings ziemlich naiv. Zu offensichtlich waren längst die tiefen Gräben zwischen den beiden Alphatieren der Südwest-CDU. Es musste jedem klar sein, dass eine Bloßstellung Strobls, der mit seinem Namen für die Reform bürgt, hohe Wellen schlagen würde. Über das Wochenende haben beide Seiten ihre Anhänger dann weiter auf die Bäume getrieben. Der Konflikt hat die CDU im Kampf mit den Grünen um die öffentliche Stimmung weit zurückgeworfen.