Die türkische Regierung lässt nach diesen Schwüren nicht einmal eine Schamfrist verstreichen, um die Rechnung für die Freilassung von Deniz Yücel zu präsentieren. Der Wunschzettel reicht von Ersatzteilen für Kampfpanzer bis zur Rückkehr deutscher Touristen nach Antalya.

Diesem Ansinnen auch nur ein Stück weit nachzugeben, wäre fatal. Yücel ist zwar frei. Doch andere, weniger prominente Erdogan-Kritiker mit deutschem Pass schmoren weiterhin in türkischen Zellen. 50 000 Menschen sind derzeit am Bosporus unter fadenscheinigen Vorwürfen inhaftiert. Mit einem solchen Staat kann es keine Normalisierung der Beziehungen geben – erst recht keine Absprachen, Vertraulichkeiten, Gegengeschäfte. Ob sich die Bundesregierung im Fall Yücel daran hielt, wird sich an ihrer Antwort an Ankara ablesen lassen.