Frau Hohlmeier, vor 30 Jahren starb Ihr Vater Franz Josef Strauß. Er würde seine Partei heute nicht wiedererkennen. Sie ist auf 34 Prozent abgestürzt und sein Credo, dass es rechts von der CSU keine demokratisch legitimierte Partei geben darf, wird von der AfD erschüttert. Warum ist jetzt alles anders?

So pessimistisch sehe ich das nicht. Mein Vater war kein Anhänger von demoskopischen Umfragen und der Übermittlung von Stimmungslagen. Er wollte, dass die CSU wie ein Fels in der Brandung steht und das tut sie auch heute noch. Aber: Wir leben in einer anderen Zeit. Es sind 30 Jahre vergangen, seit mein Vater gestorben ist. Die politische Landschaft und die Gesellschaft haben sich verändert.

Der AfD-nahe Verein „Zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten“ hat Plakate aufgehängt mit dem Slogan „Franz Josef Strauß würde die AfD wählen“. Wie hätte er auf die AfD reagiert?

Er hätte die AfD bekämpft. Und er hätte sie der Geschichtsvergessenheit bezichtigt. Mein Vater hat auch die Republikaner in den 80er-Jahren bekämpft. Er hat 1986 nach der Landtagswahl zu mir gesagt: „Monika, das war historisch einer der wichtigsten Siege, die wir als CSU je eingefahren haben.“

Warum konnte die AfD auch in Bayern so stark werden? Was ist da schiefgelaufen?

Ich glaube tatsächlich, dass ein Teil der Bayern die Flüchtlingswelle 2015 als den totalen Kontrollverlust des Staates empfunden hat. Nicht umsonst trifft die AfD mit ihren Angstparolen in Niederbayern auf Gehör, denn dort sind 1,5 Millionen Menschen über die Grenze gekommen und durch das Land marschiert. Die CSU macht hier mit Innenminister Seehofer klar, dass sich das niemals mehr wiederholt.

Ihrer Ansicht nach macht die CSU also alles richtig. Warum ist sie dann jetzt so schwach?

Wir haben in dieser schwierigen Lage aus Verantwortungsbewusstsein gegenüber unserem Land die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU nicht aufgekündigt. Aber in jener Zeit konnte sich die AfD breitmachen, das hat die Kanzlerin unterschätzt. Wenn ein Gauland völlig geschichtsvergessen den Nationalsozialismus zum Vogelschiss erklärt, und die Linken Folter, Mord und Tod von SED und KPdSU verharmlosen und vergessen machen wollen, kann ich nur sagen: ein! Die mindestens zwölf Millionen Toten unter Hitler waren kein Vogelschiss und die über zwölf Millionen Toten unter Stalin auch nicht. AfD-Politiker wie Gauland und Höcke sind geistige Brandstifter. Sie hetzen Menschen auf, machen Menschen Angst. Und sie tun es bewusst, um daraus politisch Profit zu ziehen. Dagegen müssen sich alle Volksparteien aufstellen, die CSU genauso wie die SPD.

Fragen: Margit Hufnagel