Es ist eine Aufgabe, die moralisch gar nicht hoch genug gewichtet werden kann: Tag für Tag stechen Schiffe mit freiwilligen Helfern in See, um Flüchtlinge mit ihren kaum noch schwimmenden Nussschalen aus dem offenen Meer zu ziehen. Sie retten Leben, wo die Politik längst nur noch auf Wahlumfragen oder Quoten schielt. Ihr Antrieb ist die Menschlichkeit. Und doch braucht es auch für die Seenotretter Regeln. Es wäre naiv zu glauben, dass Schlepper nicht in dem Wissen handeln, dass sich schon jemand um die verlorenen Seelen auf rauer See kümmern wird. Dass mit Erklimmen des Decks eines der Rettungsschiffe der Eintritt nach Europa gelöst ist.

Viele Hilfsorganisationen sind inzwischen Teil eines komplexen Systems – ob sie wollen oder nicht. Bleibt die alte Frage: Was ist richtig, was ist falsch? Die Antwort ist unbefriedigend. Vorerst hilft es wohl nur, sich auf die üblichen Ratschläge zu beschränken: Schlepper bekämpfen, Fluchtursachen ausschalten, Leid verhindern. Kein einfacher Dreisatz.