Geschafft. Die große Koalition kommt, die SPD hat sich zu einem Ja durchgerungen. Fünfeinhalb Monate nach der Bundestagswahl geht die Zeit des Hängens und Würgens zu Ende. Angela Merkel kann damit rechnen, als Bundeskanzlerin wiedergewählt zu werden. Hat die Einsicht in die Verantwortung vor dem Wähler gesiegt, so wie Bundespräsident Steinmeier sie eingefordert hat? Vermutlich sind die Beweggründe pragmatischer: Unter  den Mitgliedern ist die Angst vor Neuwahlen zu groß. Sie hätten die Sozialdemokraten zweifellos deutlich unter die  20-Prozent-Marke gedrückt.

Diese Gefahr ist vorerst vom Tisch. Für die SPD ist es trotzdem ein Ergebnis mit hohem Restrisiko.  So unlustig wie die SPD hat noch nie eine Partei Platz auf der Regierungsbank genommen. Auch nach dem Mitgliederentscheid bleibt die Partei gespalten, die Führungsriege bleibt in der Defensive. Daran werden auch Ministerposten im Kabinett Merkel nichts ändern.

Zum Gesicht des Widerstands ist Juso-Chef Kevin Kühnert  geworden. Von ihm wird man auch künftig hören. Denn die nächste Wahl kommt bestimmt - spätestens in vier Jahren, möglicherweise schon vorher. Falls kein Wunder geschieht, wird sich die  SPD bis dahin im Getriebe der großen Koalition weiter aufreiben. Dann drohen noch schlechtere Wahlergebnisse als heute. Das Problem ist vertagt, nicht gelöst.