Sie hätte es sich so einfach machen können. Doch "einfach" und "SPD", das passt wohl irgendwie nicht zusammen. Statt der Union genüsslich beim Grummeln über die verlorenen Ministerien zuzusehen und sich über die sozialdemokratische Handschrift im Koalitionsvertrag zu freuen, demontiert sich die SPD lieber selbst. Innerhalb kürzester Zeit verspielen sämtliche Akteure das politische Vertrauen. Verzockt hat sich nämlich nicht nur Martin Schulz, sondern auch seine beiden Parteikollegen Nahles und Gabriel.

Alle drei könnten bald ohne Amt dastehen. Zu häuslich sollte sich Nahles jedenfalls nicht einrichten, wenn sie am Dienstag kommissarisch den Posten der SPD-Chefin übernimmt. Ausgerechnet ihr, die für den Markenkern der Sozialdemokraten steht, haftet nun der Ruf an, dass sie ihren Chef ins offene Messer laufen ließ. Von einer "Schlangengrube" spricht die Schwester von Martin Schulz. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Zum Opfer taugt keiner von der SPD-Spitze. Ins Abseits manövriert haben sie sich selbst.