Kritischer Journalismus ist in Recep Tayyip Erdogans Staat schon lange nicht mehr erwünscht. Die türkische Presse wüsste ein Lied davon zu singen, wenn sie es denn könnte: Sie ist bereits größtenteils auf Linie gebracht, unliebsame Journalisten wurden hinter Gitter gebracht. Die Korrespondenten aus aller Welt, die sich noch dem Risiko Türkei aussetzen, kann der Machthaber vom Bosporus nicht so offensichtlich schikanieren wie die eigenen Landsleute.

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Aber alles kurz vor dem internationalen Eklat wird schamlos eingesetzt. Und sei es, dass man Journalisten, die seit Jahrzehnten aus der Türkei berichten und dafür eine Arbeitserlaubnis benötigen, monatelang zappeln lässt. Sicher, verglichen mit der Haft, die viele türkische Kollegen erdulden müssen, ist das ein Kinderspiel. Dem Druck muss man dennoch erst mal standhalten.

Und was sagt die Bundesregierung dazu? „Die Haltung der Bundesregierung ist klar: Die Freiheit der Berichterstattung ist ein hoher Wert“, betonte Regierungssprecher Steffen Seibert jüngst. Das ist schön, nur wird sich mit ein paar dürren Worten am fortgesetzten Skandal nichts ändern.

Ist die Verteidigung der Pressefreiheit in einem Land, das offiziell immer noch als EU-Beitrittskandidat gilt, nicht mehr wert?