Jens Spahn hat bisher vor allem als Merkel-Kritiker von sich reden gemacht. Sei es in Interviews, TV-Talkrunden oder auf Parteitagsbühnen: Der 38-jährige CDU-Mann nutzte jedes Mikrofon, um den Linksruck seiner Partei zu beklagen und sich als Wortführer des konservativen Flügels zu profilieren. Zur Strafe machte ihn die Kanzlerin zum Gesundheitsminister. Der Mann, so offenbar der Hintergedanke, soll nicht reden, sondern arbeiten.

Und siehe da: Spahn kann das. Sein Gesetz zur Bekämpfung des Pflegenotstands wird nicht alle Missstände in deutschen Heimen und Kliniken beseitigen. Aber das Konzept wirkt durchdacht und durchgerechnet. Wichtigstes Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass die Verbesserungen am Ende beim Patienten ankommen. Dank guter Wirtschaftslage scheint auch die Finanzierung gesichert. Spahn, der jüngste Minister in Merkels Kabinett, hat seine Chance erkannt und ein respektables Gesellenstück auf den Tisch gelegt. In der CDU ist weiter mit ihm zu rechnen.