Die aus der Türkei abgeschobene Kämpferin der Terrormilizen des Islamischen Staates (IS), Sarah O. aus Konstanz, wartet weiterhin in Haft auf ihre Anklage. Ihre drei Kinder, die bei der Rückkehr nach Deutschland ebenfalls an Bord waren, sollen sich nach Informationen dieser Zeitung in einer Pflegefamilie befinden.

Sie seien "professionell untergebracht", hieß es. Zuvor hatte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigt, die Kinder seien "gut versorgt", ohne jedoch weitere Einzelheiten zu nennen.

Drei Krieger für den "Heiligen Krieg"

Die inzwischen 20-Jährige frühere Gymnasiastin hatte sich im Alter von 15 Jahren überraschend nach Syrien abgesetzt und dort drei Kinder zur Welt gebracht. Über Facebook teilte sie Freundinnen mit, dass sie im Staat der IS-Milizen kämpfen und für den „Heiligen Krieg“ Krieger gebären wolle.

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Als Vater der Kinder gilt der aus Köln stammende IS-Kämpfer Ismail S. (26), mit dem die Konstanzerin im Alter von knapp 16 Jahren nach islamischem Recht verheiratet wurde. Der Mann befindet sich weiterhin in türkischer Haft und wartet auf seine Auslieferung.

Was über Ismail S. bekannt ist

Auch Ismail S. ist für die deutschen Behörden kein Unbekannter. Der Deutsch-Türke stammt aus Nordrhein-Westfalen und kam früh mit der militanten islamistischen Szene in Berührung. Im August 2008 plante er als 16-Jähriger gemeinsam mit seinem Bruder und einem Freund einen Anschlag auf eine Polizeistreife in Köln: Das Trio lockte die Besatzung eines Streifenwagens in einen Hinterhalt, um den Polizisten die Waffen abnehmen.

Dafür wurden die Brüder zu einer mehrjährigen Jugendstrafe verurteilt, die teilweise zur Bewährung ausgesetzt wurde. Anschließend radikalisierte sich Ismail S. weiter in der Salafisten-Szene. Sein Weg führte über Ägypten zum IS in die syrische Stadt Aleppo.

Sarah O. erhält eine Ausbildung an der Waffe

Gemeinsam mit ihrem Ehemann ließ sich Sarah O. in Syrien an der Waffe ausbilden und übernahm Wach- und Polizeidienste, wie es im Haftbefehl des Generalbundesanwalts heißt.

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Als der Terrorstaat der IS-Milizen Anfang 2018 unter den Luftangriffen einer internationalen Allianz in Schutt und Asche versank, floh Sarah O. samt Ehemann und Kindern in die Türkei. Mit Hilfe von Schleusern konnte sich die Familie über die Grenze in die türkische Stadt Gaziantep absetzen.

Abschiebung aus der Türkei nach Deutschland

Ein halbes Jahr später wurde die junge Mutter nun mit ihren drei Kindern abgeschoben: Am Freitagmorgen landete sie mit dem Flug XQ794 aus Ankara kommend auf dem Düsseldorfer Flughafen.

Die türkischen Behörden hatten die Islamistin nach Deutschland abgeschoben. Die Bundespolizei war vorgewarnt und nahm die Terrorverdächtige noch am Flughafengate in Empfang.

Was wird aus den drei Kindern?

Was aus den Kindern wird, ist noch offen. Es werde Jahre dauern, bis Kinder und Jugendliche aus IS-Familien mit Hilfe der örtlichen Jugendämter wieder ein normales Leben führen könnten, sagte der Chef des nordrhein-westfälischen Landesamtes für Verfassungsschutz, Burkhard Freier (62), unlängst in einem Interview. „Viele von ihnen sind verroht, traumatisiert und vergiftet durch die Dschihad-Ideologie des IS“, so der Verfassungsschützer.

Sarah O. droht der Prozess

Das gilt erst recht für die Mütter. Die Konstanzerin gehört zu den ersten IS-Rückkehrerinnen, denen in Deutschland der Prozess droht. Gut die Hälfte der Frauen, die in die Bundesrepublik zurückkehrten, hätten sich anschließend militanten, salafistischen Frauenzirkeln angeschlossen, berichtet Verfassungsschützer Freier – von Einsicht also keine Spur.

Zwar habe der Kalifatsstaat als Mythos an Glanz verloren. „Das heißt aber noch lange nicht, dass sie ihren radikalen Idealen abgeschworen haben, wenn sie zurückkommen“, warnt der Verfassungsschützer.

Tief in die IS-Ideologie verstrickt

Auch Sarah O. hatte sich in die IS-Ideologie tief verstrickt. Aus ihrer Gesinnung machte sie in sozialen Netzwerken und radikalislamischen Internetforen nie einen Hehl. „Wir unterstützen unsere Ehemänner im Kampf und vermehren beziehungsweise gebären Kämpfer“, schrieb sie in einem Beitrag auf ihrer Facebook-Seite. Unter anderem postete sie ein Foto mit einer Pistole in einer Hand. Dazu der Kommentar: „Meine neue Perle“.