Nach dem Wechsel an der Spitze der Unionsfraktion im Bundestag bemüht sich Andreas Jung, Konstanzer CDU-Abgeordneter und Vorsitzender der Landesgruppe Baden-Württemberg, um einen Posten als Vize-Vorsitzender der Unionsfraktion. Allerdings muss er sich gegen zwei Mitbewerber durchsetzen. Wer das Rennen macht, gilt als offen.

Bei der Entscheidung geht es auch um das Gewicht Baden-Württembergs in der Unionsfraktion, wie aus Kreisen der Abgeordneten verlautete. Dieses sei durch die Abwahl des bisherigen Fraktionschefs Volker Kauder geschwächt worden. Dieser war Ende September durch den bisherigen Fraktionsvize Ralph Brinkhaus abgelöst worden. Da Brinkhaus dem Landesverband Nordrhein-Westfalen angehört, fürchten die 38 Abgeordneten aus dem Südwesten schwindenden Einfluss auf die Fraktionsspitze.

Parteikollegen sollen Jung als Landesgruppenchef daher gedrängt haben, als Fraktionsvize nachzurücken. Der Landesverband brauche einen Sitz in der Runde der neun Stellvertreter des neuen Fraktionschefs. Allerdings haben sich zwei Mitbewerber aus der Landesgruppe gemeldet: Der Schwetzinger CDU-Abgeordnete Olav Gutting (47) sowie der Karlsruher Abgeordnete Axel Fischer (52) bekunden ebenfalls Interesse an dem Stellvertreter-Posten. Gutting gilt als konservativer als Jung, vor allem in der Flüchtlingspolitik ging er auf Distanz zu Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch Fischer gilt als parteiinterner Gegenspieler des als liberal geltenden Jung.

Wer hat die besseren Karten? Am Montagabend wird die CDU-Landesgruppe über die heikle Personalfrage abstimmen, am Dienstag spricht dann die Fraktion auf der Grundlage dieser Empfehlung das letzte Wort. Über die Stimmung unter den baden-württembergischen Abgeordneten gibt es widersprüchliche Aussagen. Eine Mehrheit der Landesgruppe versuche, Jung zu verhindern, da dieser auf der Linie von Bundeskanzlerin Angela Merkel liege, hieß es in Medienberichten. Zudem werde ein Finanzfachmann gesucht, Jung hingegen habe sich bisher eher als Klima- und Umweltpolitiker einen Namen gemacht. Das sei "abstrus", sagte der CDU-Abgeordnete Thorsten Frei (Wahlkreis Schwarzwald-Baar) auf Nachfrage dieser Zeitung. Seine Einschätzung: "Andreas Jung darf auf die überragende Unterstützung der Landesgruppe hoffen."

Ähnlich sieht es Armin Schuster, der im Bundestag den Wahlkreis Lörrach vertritt. "Jung hat in der Landesgruppe starken Rückhalt für seine Kandidatur", sagt Schuster. Jung selbst wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht äußern. Vor einer öffentlichen Stellungnahme zu der Angelegenheit wolle er erst die Sitzung der CDU-Landesgruppe am Montagabend abwarten, sagte der Abgeordnete vom Bodensee.