Während sich die Sozialdemokraten ob der Verteilung von Ämtern gerade selbst zerfleischen, stellt Kanzlerin Angela Merkel klar, dass für sie die Verantwortung für das Land schwerer wiegt als der Verlust von Posten und Ministerien. „Obwohl es schmerzhaft ist“, sagt sie am Sonntag in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“. Ein Scheitern der Verhandlungen über eine große Koalition wegen der Ministerien sei „nicht verantwortbar“ gewesen. Man habe sich am Ende zwölf Stunden mit den Ressorts beschäftigt, sagt Merkel. Wer Kanzler sein wolle, müsse auch Verantwortung für das Land übernehmen. „Daher stehe ich vollkommen zu dieser Entscheidung, in den frühen Morgenstunden zu sagen, dieses Land braucht eine Regierung“, hebt Merkel hervor.

Wer dachte, die Kanzlerin ließe sich von der eigenen Partei in die Ecke drängen, der sah sich getäuscht. Kämpferisch tritt sie im ersten Interview nach den Koalitionsverhandlungen auf. Und allen, die schon ihr Erbe regeln wollen, macht sie klar: Ein Rückzug ist nicht zu erwarten. „Die vier Jahre sind jetzt das, was ich versprochen habe. Und ich gehöre zu den Menschen, die Versprochenes auch einhalten“, sagt die CDU-Vorsitzende. Merkel regiert seit 2005. Einer Erneuerung der Partei wolle sie sich nicht verschließen: „Jetzt geht es doch darum, Personen Chancen zu geben, die ihre politische Zukunft noch vor sich haben oder mitten da drin sind.“

Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt zur Aufzeichnung der ZDF-Sendung „Berlin direkt“.
Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt zur Aufzeichnung der ZDF-Sendung „Berlin direkt“. | Bild: Paul Zinken/dpa

Gegenüber Schulz äußert Merkel großen Respekt – man könnte es auch als Mitleid interpretieren. „Das sind ja wahnsinnige Zeiten für ihn“, sagt sie.