Konstanz – Die Spendenaffäre um die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel nimmt weiter Fahrt auf. Neben den 130 000 Euro, die im Wahlkampfjahr 2017 über das Zürcher Pharmaunternehmen PWS als Wahlkampfspende an den AfD-Kreisverband Bodensee eingingen, soll es im April 2018 erneut zu dubiosen Geldflüssen bei der Partei gekommen sein.

Insgesamt 38 000 Euro wurden nach Recherchen des Verbunds von "Süddeutsche", NDR und WDR überwiesen – allein 9000 Euro augenscheinlich von einem belgischen Geschäftsmann, sowie 9000 und 20 000 Euro von zwei weiteren vermeintlichen Spendern.

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Fragliche Namen

Den Angaben zufolge sei in allen drei Fällen allerdings "fraglich", ob es sich dabei um die tatsächlichen Geldgeber handelt. Der Belgier, der im Großraum Antwerpen leben soll, will demnach schon vor längerer Zeit aus der Schweiz angerufen worden sein, mit der Bitte, seinen Namen zur Verfügung zu stellen für Überweisungen an die AfD. "Aus persönlichen Gründen" habe er eingewilligt, gab der Geschäftsmann demzufolge ein.

Die Schatzmeisterin des Kreisverbands, Brigitte Hinger, war bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe für den SÜDKURIER nicht zu erreichen. Auch die AfD-Parteizentrale reagierte zunächst nicht auf Anfrage.

Der Rechercheverbund hat die Spuren jener 14 Namen verfolgt, die auf der Spenderliste an die Bundestagsverwaltung zur Prüfung des Falls Weidel übermittelt worden waren. Schon seit mehreren Wochen gibt es Hinweise, dass einige der Geldgeber lediglich als Strohmänner fungierten. Jetzt zeichnet sich ab, dass mindestens zwölf der 14 Spender miteinander verwandt oder befreundet sind.

Spanier soll Strohmänner organisiert haben

Ein nach Spanien ausgewanderter Deutscher soll von der Costa Brava aus gezielt Freiwillige gesucht haben, die ihre Namen für Spenden zur Verfügung stellen. Einige bekamen dafür den Recherchen zufolge 1000 Euro, andere hofften auf ähnliche Zuwendungen, gingen Aussagen eines Beteiligten zufolge aber leer aus.

Die neue Spende ging fast genau zu jenem Zeitpunkt ein, zu dem sich die Partei dazu entschlossen hatte, die 2017 erhaltenen Spenden zurückzuzahlen. Diese waren ursprünglich von dem Zürcher Unternehmen PWS überwiesen worden – zunächst "treuhänderisch" für einen Geschäftsfreund, wie es hieß. Später übermittelte die Partei dann aber die Liste mit 14 Namen an die Bundestagsverwaltung.

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Diese prüft, ob ein Verstoß gegen das Parteispendenverbot vorliegt. Spenden aus dem Nicht-EU-Land über 1000 Euro sind ebenso verboten wie Spenden, die über Dritte lediglich weitergeleitet wurden. Auch die Konstanzer Staatsanwaltschaft ermittelt in der Affäre gegen Weidel.