Der deutsche Journalist Billy Six ist nach vier Monaten in venezolanischer Haft unter Auflagen freigekommen. Six sei am Freitag (Ortszeit) freigelassen worden, müsse sich aber alle zwei Wochen bei der Justiz melden und dürfe nicht mit Medien über seinen Fall sprechen, erklärte die Organisation Espacio Público. Auch der Journalistenverband SNTP bestätigte die Freilassung des 32-Jährigen, der für rechtskonservative Publikationen wie "Junge Freiheit" arbeitet.

Außer der Pflicht, sich alle 15 Tage bei den Behörden zu melden, sei Six auferlegt worden, nicht in Medien über seinen Fall zu sprechen, teilte Espacio Público mit. "Wir fordern seine vollständige Freiheit", schrieb die Organisation, die sich für die Pressefreiheit einsetzt, im Kurzbotschaftendienst Twitter. Der Journalistenverband Sindicato Nacional de Trabajadores de la Prensa (SNTP) verurteilte die Inhaftierung von Six als "willkürlich".

Der freie Mitarbeiter der rechtskonservativen Publikationen "Junge Freiheit" und "Deutschland-Magazin" hatte in Venezuela zu Drogen- und Menschenhandel recherchiert sowie zu der Massenflucht von Venezolanern wegen der Versorgungskrise in dem südamerikanischen Land. Am 17. November wurde Six auf der Halbinsel Paraguana festgenommen. Laut Espacio Público soll er Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro fotografiert haben und dabei "sehr nah" an ihn herangegangen sein.

Nach Angaben von Reporter ohne Grenzen (ROG) wurde Six Spionage, Rebellion und das Verletzen von Sicherheitszonen vorgeworfen. Er wurde am Sitz des venezolanischen Geheimdienstes in Caracas festgehalten. Im Dezember trat der deutsche Journalist er zwischenzeitlich in einen Hungerstreik. Nach Angaben der deutschen Botschaft beendete er den Hungerstreik jedoch in der Hoffnung auf Fortschritte durch diplomatische Bemühungen in seinem Fall.

In einem offenen Brief beschwerte sich Six, dass ihm das Recht verwehrt werde, sich zu verteidigen. Außerdem seien ihm die Ergebnisse medizinischer Tests vorenthalten worden, die nach seiner Erkrankung am Dengue-Fieber im Oktober gemacht worden seien.

Der Vater des inhaftierten Journalisten, Edward Six, warf der deutschen Botschaft in Caracas vor, sich nicht genügend für seinen Sohn einzusetzen. Diese bemühe sich zwar um eine Besuchserlaubnis, lehne eine Forderung nach Haftentlassung seines Sohnes jedoch ab, sagte der Vater im Dezember der "Jungen Freiheit".

In Venezuela herrscht derzeit eine akute Staatskrise, in der sich der umstrittene linksgerichtete Staatschef Nicolás Maduro und der selbst ernannte Übergangspräsident Juan Guaidó gegenüber stehen. Deutschland hat wie rund 50 weitere Länder Guaidó als rechtmäßigen Staatschef Venezuelas anerkannt. Maduros Regierung erklärte den deutschen Botschafter Daniel Kriener Anfang des Monats zur unerwünschten Person, der Diplomat verließ daraufhin das Land.

Angesichts der angespannten Lage in Venezuela werden vermehrt Journalisten verfolgt. So wurde Ende Februar Jorge Ramos festgenommen, als er für die spanischsprachigen US-Sender Univisión und Telemundo gerade ein Interview mit Maduro führte. Später wurde er ausgewiesen. Laut Espacio Público wurden seit Jahresbeginn etwa 50 Medienvertreter festgenommen.

Der polnische Journalist Tomasz Surdel, Korrespondent der renommierten Zeitung "Gazeta Wyborcza", warf der venezolanischen Polizei am Freitag vor, ihn verprügelt zu haben. Der Journalistenverband SNTP veröffentlichte Bilder des blutigen und geschwollenen Gesichts des Journalisten.

In einem Video berichtete Surdel, vermummte Polizisten hätten ihn in seinem Auto angehalten. Ohne ihm irgendeine Frage zu stellen, hätten sie ihm eine Kapuze übergezogen und ihn verprügelt. "Als sie die Kapuze abgemacht haben, war eine Pistole auf mich gerichtet", schilderte der Korrespondent. "Einer von ihnen sagte: 'Schieß auf ihn'. Ein anderer betätigte den Abzug. Die Pistole war nicht geladen, Alle haben angefangen zu lachen."

Auf Twitter versicherte Surdel, er werde dennoch nicht aufhören, über Venezuela zu berichten. Seine Redaktion forderte in einem Leitartikel vom polnischen Außenministerium eine kraftvolle Reaktion auf den Angriff.

 

(afp)