Freundlich und volksnah: Diese Eigenschaften haben dem Oppositionspolitiker Ekrem Imamoglu, 49, geholfen, die Bürgermeisterwahl in Istanbul am 31. März zu gewinnen – und so möchte er bei der Wiederholung der Wahl am 23. Juni wieder gewinnen. Sein Wahlspruch ist „alles wird gut“. Schlammschlachten und Schärfe gibt es in seinem Wahlkampf nicht. Seine Fans halten Imamoglu und seine Frau Dilek für die türkischen Obamas: anständig, bodenständig – Vermittler in einem tief gespaltenen Land.

Sein Überraschungssieg in der ersten Wahl hat den Lokalpolitiker zum Shootingstar gemacht. Im In- und Ausland ist er für die Erdogan-Verdrossenen zu einer Symbolfigur für den Wandel geworden. Einige sehen ihn ihm schon den nächsten Präsidenten der Türkei.

Es hilft, dass Imamoglu (sprich Imamolu) ein eher ungewöhnlicher Kandidat der kemalistischen, säkularen und manchmal abgehoben wirkenden Mitte-Links-Partei CHP ist. Er ist gläubig, kommt aus der konservativen Schwarzmeerregion, und seine Mutter trägt Kopftuch. Damit können auch Konservative etwas anfangen.

Imamoglu hat drei Kinder und eine unverkrampfte Art mit jungen Leuten. Sein Wahlkampf hält sich eng an Bedürfnisse der Stadtbürger. Statt von Megaprojekten spricht er von Kindergärten oder verkehrsfreien Zonen. Er stammt aus einer Familie von Geschäftsleuten und war Unternehmer in dritter Generation. Aber dann entschied er sich für die Politik und war zuletzt Bürgermeister im Bezirk Beylikdüzü. „Seit meiner Kindheit möchte ich gegen Ungerechtigkeit vorgehen, wenn ich sie sehe.“