Nichts fürchten die Deutschen angeblich so wie die Politik von Donald Trump, so das Fazit einer kürzlich von einer Versicherung veröffentlichten Umfrage. Noch nicht einmal die freizügige Migrationspolitik der Bundeskanzlerin macht ihnen so viel Angst. Leider kann man sich gegen einen amerikanischen Präsidenten noch nicht mit einer Sorgenfrei-Police absichern, was auch den Werbeeffekt der Umfrage ins Leere gehen lässt.

Anti-Trump-Hysterie in Europa

Das ändert im Grundsatz aber nichts an einer Tatsache, die in Europa im Rahmen der vor allem von Politikern gerne praktizierten Anti-Trump-Hysterie und vielleicht auch mangels Detailwissen kaum wahrgenommen wird: Donald Trump ist – nimmt man seine Entscheidungen und nicht sein persönliches Verhalten zum Maßstab – weit weniger eine Bedrohung für den Frieden und die internationale Stabilität als beispielsweise Kim Jong Un, Wladimir Putin oder das Regime im Iran. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

Donald Trump ist in erster Linie ein Geschäftsmann, dessen Hauptargumente für ein erfolgreiches Agieren in der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt zu finden sind. Vier Millionen neue Jobs seit Amtsantritt. Rekordbeschäftigung auch für Afro-Amerikaner und Latinos, die vom Aufschwung, den Trump für sich reklamiert, ebenfalls profitieren.

Er blickt vor allem auf die Wirtschaft

Eine Wachstumsrate im letzten Quartal von satten 4,2 Prozent – während in den Obama-Jahren das jährliche Wirtschaftswachstum gerade einmal zwei Prozent betrug und die Löhne stagnierten. Allerdings verweisen Experten auf Obama-Reformen, die erst in Trumps Amtszeit ihre Wirkung entfalteten. Warum sollte der Präsident diese Werte, mit denen er so gerne angibt, durch eine wagemutige Sicherheitspolitik gefährden, die die Finanzmärkte erschüttern könnte?

Hinzu kommt: Die US-Truppen möchte er aus Syrien so schnell wie möglich abziehen. Beim Treffen mit Diktator Kim Jong Un hat er eine Denuklearisierung Nordkoreas vereinbart. Auch wenn es mit der Umsetzung zu haken scheint und der Teufel wie so oft im Detail liegt – der Trend geht zumindest in die richtige Richtung, nämlich Entspannung.

Den Präsidenten umgeben Erwachsene. Selbst wenn man – wie jetzt geschehen im Enthüllungsbuch von Bob Woodward und im anonymen Leitartikel eines angeblichen Regierungs-Mitarbeiters in der "New York Times" – Trumps mangelnde Intelligenz, Unkenntnis politischer Zusammenhänge und jede Menge moralische Defizite attestiert: Es gibt immer noch erfahrene Minister und Berater, die auch eine Kontrollfunktion haben. Wie James Mattis, der General- und Verteidigungsminister. Oder John Kelly, Trumps Stabschef und ebenfalls ein Ex-Offizier mit Disziplin und Verantwortungsgefühl.

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Und dann ist da ja noch die angebliche "Widerstandsbewegung", die politisch unerwünschte Maßnahmen des US-Präsidenten zu entschärfen versucht. Die Frage der demokratischen Legitimation einer solchen internen ungewählten Guerilla-Truppe steht auf einem ganz anderen Blatt – aber rein aus ihrer Existenz zu schließen, dass Trump eine Gefahr für das Land und den Weltfrieden bedeutet, ist viel zu weit hergeholt.

Trump bellt, aber beißt oft nicht. Aus seiner Zeit als Immobilien-Jongleur in New York stammt die Angewohnheit, Gegnern massiv zu drohen, um durch den Faktor Einschüchterung Vorteile zu gewinnen: beispielsweise durch die Andeutungen eines möglichen Rückzugs aus der NATO. Üblich ist aber auch, dass Trump nur selten den Drohungen Taten folgen lässt.

Kritiker werfen Trump gerne vor, durch das Aufkündigen internationaler Verträge, neue außenpolitische Normen oder unorthodoxe Entscheidungen wie die Verlegung der US-Botschaft in Israel Instabilität und Chaos zu riskieren. Frühere US-Regierungen hatten hingegen den Status Quo bevorzugt. Doch bis heute sind die vielen so düsteren Visionen nicht eingetreten. Ein Grund mehr, Donald Trump trotz aller persönlichen Mangelerscheinungen nicht zu fürchten.