John Bercow: Er ist so etwas wie der Ordnungshüter Ihrer Majestät. Manche würden ihn auch als Dompteur im Polit-Zirkus bezeichnen, als der sich Westminster derzeit präsentiert. Ohne Zweifel darf jedenfalls behauptet werden, dass John Bercow die Rolle als Sprecher des britischen Parlaments wie kaum ein Vorgänger perfektioniert hat. Wenn er etwa die „ehrenwerten“ Abgeordneten zur Ordnung mahnt, bedient er sich einer breiten Palette an „Order“-Versionen. Ruft er noch oder brüllt er schon? Es geht insbesondere in diesen chaotischen Brexit-Zeiten oft laut, wild und leidenschaftlich zu im Unterhaus, sodass Bercow zuletzt häufig einschreiten musste.

Mit Humor und doch diszipliniert inszeniert das Redetalent seit seiner Wahl im Jahr 2009 die Debatten gern wie ein Entertainer eine große Show. Zwischenrufern empfiehlt er schon einmal zu meditieren, in Therapie zu gehen oder Yoga zu betreiben, um sich zu beruhigen. Ministern liest er regelmäßig die Leviten, wenn sie an ihrem Telefon herumspielen oder die Redezeit überschreiten. Aber es sind vor allem seine stimmlich unnachahmlichen „Order“-Aufforderungen zur Ruhe, mit denen es der 56-jährige „Speaker of the House“ mittlerweile zum heimlichen Star der britischen Debattenkultur gebracht hat, zumindest außerhalb des Königreichs.

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Mobbing-Vorwürfe: Denn während ihn ein französisches Radio-Programm gerade zum „Europäer der Woche“ gekürt hat, ist der Sohn eines Taxisfahrers mit jüdisch-rumänischen Wurzeln auf der Insel keineswegs unumstritten. Und das liegt nicht allein daran, dass derzeit ein Ausschuss die Vorwürfe untersucht, Bercow habe Mitarbeiterinnen gemobbt und schikaniert. Oder dass er einmal vor sich hinmurmelnd die konservative Fraktionsvorsitzende als „dumm“ bezeichnet hat. Zahlreichen Kritikern dient er schon lange als Hassfigur. So beschimpfte ein Abgeordneter den 1,67 Meter großen Mann einmal als „scheinheiligen, dummen Zwerg“.

Anti-Brexit-Aufkleber am Auto: Bercow ließ einen Änderungsantrag zu, der May dazu zwang, einen Plan B zu präsentieren. Die Brexit-Hardliner flippten in unenglischer Manier aus und warfen dem Sprecher, eigentlich der Unparteilichkeit verschrieben, Parteilichkeit vor. So sei Bercow, von dem man weiß, dass er beim Referendum für Großbritanniens Verbleib in der EU gestimmt hat, in einem Auto gesichtet worden, auf dem ein Anti-Brexit-Sticker klebte. Er konterte, dass sich der Aufkleber auf dem Wagen seiner Frau Sally befände. Er sei sich sicher, „dass der verehrte Gentleman nicht für eine Sekunde andeuten wollte, dass eine Frau Eigentum des Ehemannes ist.“