Es ist noch gar nicht lange her, da blickte die Union mit einer Mischung aus Herablassung, Spott und Besorgnis auf die SPD. Eine Partei, die nicht mehr in der Lage sei, auf 30 Prozent der Stimmen zu kommen, könne nicht länger für sich in Anspruch nehmen eine Volkspartei zu sein, hieß es bei CDU und CSU.

Fünf Jahre später können CDU und CSU von solchen Zahlen nur noch träumen. Der beispiellose Niedergang der SPD, die bundesweit unter die 20-Prozent-Marke gerutscht ist, erreicht mit einer zeitlichen Verzögerung nun auch die Union. Würde am Sonntag gewählt, käme die Kanzlerin-Partei auf lediglich 29 Prozent – ein historisches Tief.

Der erbittert ausgetragene Streit zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer in der Flüchtlingsfrage hindterlässt eindeutig Bremsspuren. Was aber längerfristig schwerer wiegt: Die Union hat keine Strategie im Umgang mit der AfD gefunden, deren Höhenflug unverändert anhält. Das könnte sich noch bitter rächen.