Die Gitarrenklänge verhallen, der Ton seiner rauen Stimme legt sich auf die Menschen vor ihm. „Ich werde nicht kampflos aufgeben“, setzt Swjatoslaw Wakartschuk zum Refrain an, den Rest übernehmen die Demonstranten, die auf dem Kiewer Maidan ausharren. 2013, in der Kälte, wurde das Lied „Kampflos“ des ukrainischen Rockers zu einem Bekenntnis der Protestierenden für die Freiheit und gegen die Korruption in der Ukraine. Seitdem ist viel passiert, die Ukraine ist eine andere geworden – und sucht an diesem Sonntag (21. Juli) eine Antwort darauf, welchen Weg sie einschlagen will.

Bei der vorgezogenen Wahl des Parlaments will Wakartschuk, den seine Fans nur Slawa nennen – Ruhm – , in die Werchowna Rada einziehen. Dafür hat er die Partei Golos (Stimme) gegründet. Manche Politologen in der Ukraine sehen Golos als Juniorpartner für die Partei „Diener des Volkes“ des ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenski. Wakartschuk passt mit seinem pro-westlichem Kurs, seinen unkonventionellen Auftritten, vor allem aber seiner Aura eines Nicht-Politikers bestens dazu.

Erst Komiker, nun ein Musiker: In der ukrainischen Politik schlägt die Stunde der Unterhalter. Mehr als fünf Jahre nach der „Revolution der Würde“ sind viele ob der Politik und der Langsamkeit der Reformen müde geworden. Bei der Wahl des Präsidenten suchten sie nach einem Politiker, der keiner ist – und fanden ihn im Schauspieler Wladimir Selenski. Schon damals hatten viele Ukrainer ihre Hoffnungen auch auf Wakartschuk gesetzt. Der zögerte – und überließ das Feld Selenski. Nun aber will er es doch noch einmal wissen.