Drei Chemiewaffenanlagen von Machthaber Assad liegen in Schutt und Asche. Donald Trump hat seine Worte wahr gemacht und Marschflugkörper nach Syrien geschickt. Trotz großspuriger Ankündigung bleibt es bei einer Strafaktion, die sich sichtlich um Schadensbegrenzung bemüht, auch wenn Franzosen und Briten Geleitfeuer gaben. Den dritten Weltkrieg wird dieser halbherzige Warnschuss kaum auslösen – wenigstens das ist beruhigend.

Die Zweifel an Sinn und Zweck des Angriffs bleiben somit berechtigt. Welche Strategie der Westen für das blutende Syrien verfolgt, verraten die Raketen nicht. Trump, sprunghaft wie eh und je, drückte auf den Abzugsknopf, weil er zuvor die Backen aufgeblasen und sich unter Zugzwang gesetzt hatte. Doch Ablauf und Ergebnisse der Militäraktion sprechen eine andere Sprache als der Präsident. Die Ziele in Syrien blieben eng begrenzt, das russische Militär war offenkundig vorgewarnt und konnte seine Angehörigen in Sicherheit bringen, Moskau ließ sich klugerweise nicht auf eine Kraftprobe ein. Das alles zeigt, dass es auf beiden Seiten hinter den Kulissen den Willen gibt, eine Eskalation um der Eskalation willen zu vermeiden. Allem Anschein nach sind noch nicht alle Sicherungen herausgedreht.

In Syrien ändert dieser Angriff nichts. Präsident Assad bereitet bereits seine nächste Offensive vor – das sagt alles. Auf Russland kann er sich weiterhin verlassen: Nach sieben Jahren Krieg leiten 105 wohldosierte Marschflugkörper keine grundlegende Wende ein. Vor diesem Hintergrund klingen die Reaktionen der Bundesregierung nur noch gestelzt und gestanzt: Merkel und ihre GroKo-Minister begrüßen den Raketenhagel im Namen der Menschlichkeit, stellen zugleich aber klar, dass mit der Bundeswehr keinesfalls zu rechnen ist. Diese Ja-aber-Solidaritätsadressen tun keinem weh, helfen niemandem und stellen nichts klar.

Mit symbolischem Feuerzauber und hohlen Worten kommt Syrien schon lange nicht mehr weiter. Wenn das Land nach sieben Jahren Krieg wieder Hoffnung schöpfen soll, dann braucht es einen diplomatischen Kraftakt, der alle Beteiligten endlich an einen Tisch holt. Von Trumps USA ist ein solches Kunststück nicht zu erwarten, und Russland hat eigene Pläne. Was für eine Tragödie.