Zum ersten Mal hat die türkische Regierung ein gewisses Verständnis für die deutschen Sorgen um den inhaftierten Journalisten Deniz Yücel geäußert. Das ist ein sehr begrüßenswerter Start ins neue Jahr der krisengeschüttelten deutsch-türkischen Beziehungen. Ob Yücel mit einer baldigen Freilassung rechnen kann, ist allerdings nicht gesagt. Der Fall ist unter anderem wegen der öffentlichen Vorverurteilung Yücels durch Staatspräsident Erdogan nicht so einfach aus der Welt zu schaffen wie der des Menschenrechtlers Peter Steudtner.

In den kommenden Monaten sind deshalb neue Irritationen fast unausweichlich. Auch andere Streitfragen, wie etwa die türkische Forderung nach Auslieferung von Erdogan-Gegnern durch die Bundesrepublik oder die deutsche Kritik an der Erosion des türkischen Rechtsstaates unter dem Ausnahmezustand, werden sich nicht ohne weiteres lösen lassen. Trotz der versöhnlichen Töne bleibt das Verhältnis zwischen Ankara und Berlin auch im neuen Jahr sehr störanfällig.