Der 70. Geburtstag des Grundgesetzes wird am 23. Mai - am Tag der Unterzeichung - in ganz Deutschland gefeiert: Unter anderem mit einer Festveranstaltung mit 600 Schülern in der Frankfurter Paulskirche und einer Kaffeetafel mit Bundespräsident Steinmeier in Berlin. Ein Überblick über Entstehung und Aufbau der deutschen Verfassung:

Entstehung des Grundgesetzes

Die Grundlage für das Grundgesetz entstand im August 1948 auf der Herreninsel im Chiemsee. Die Experten eines Verfassungskonvents erarbeiteten dort in nur knapp zwei Wochen einen Entwurf für das Grundgesetz. Am 1. September 1948 nahm danach im Lichthof des Zoologischen Museums Koenig in Bonn – einem der wenigen im Zweiten Weltkrieg nicht zerstörten Gebäude – der Parlamentarische Rat seine Arbeit auf. Seine Aufgabe war es, eine vorläufige Verfassung für den Westteil Deutschland zu erarbeiten.

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Präsident des Rats war der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU). Mitglieder waren auch der spätere Bundespräsident Theodor Heuss (FDP) und von der SPD der Staatsrechtler Carlo Schmid. Dem Rat gehörten insgesamt 65 stimmberechtigte Mitglieder an, die von den Landtagen der westlichen Besatzungszonen gewählt worden waren. Unter ihnen waren nur vier Frauen.

Ein Ausschnitt des Artikels 5 des Grundgesetzes ist auf einer Glasscheibe am Außenhof des Jakob-Kaiser-Hauses zu sehen. Der Artikel 5 schützt die Meinungs- und Pressefreiheit in Deutschland.
Ein Ausschnitt des Artikels 5 des Grundgesetzes ist auf einer Glasscheibe am Außenhof des Jakob-Kaiser-Hauses in Berlin zu sehen. Der Artikel 5 schützt die Meinungs- und Pressefreiheit in Deutschland. | Bild: Florian Kleinschmidt/dpa

Am 8. Mai 1949 beschloss der Rat mit 53 gegen zwölf Stimmen das Grundgesetz. Diesem stimmten daraufhin auch die Westalliierten sowie die Länderparlamente mit Ausnahme Bayerns zu. Am 23. Mai wurde das Grundgesetz in Bonn unterzeichnet und verkündet – damit war die Bundesrepublik Deutschland gegründet.

Gesamtdeutsche Verfassung mit der Wiedervereinigung

Bewusst war 1949 zunächst nur vom Grundgesetz und nicht von einer Verfassung die Rede, worin auch die Teilung Deutschlands zum Ausdruck kam. Mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wird das Grundgesetz dann zur gesamtdeutschen Verfassung. In der Präambel heißt es nun, die Deutschen in den Bundesländern „haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.“

Die wichtigsten Artikel des Grundgesetzes

Das Grundgesetz umfasst 146 Artikel. Herzstück der Verfassung sind die Grundrechte in den Artikeln eins bis 19. Ganz am Anfang steht dabei der prägende Satz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Zu den Grundrechten gehören beispielsweise auch das jedem zustehende „Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“ in Artikel zwei, die Glaubensfreiheit in Artikel vier oder die Meinungsfreiheit in Artikel fünf.

Skulptur mit Artikel eins des Grundgesetz es der Bundesrepublik Deutschland an der Fassade der Staatsanwaltschaft im Justizzentrum in der Innenstadt Frankfurt.
Skulptur mit Artikel eins des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland an der Fassade der Staatsanwaltschaft im Justizzentrum in der Innenstadt Frankfurt. | Bild: Ralph Peters/dpa

Das Grundgesetz hat jedoch daneben auch einen großen organisatorischen Teil, in dem der Staatsaufbau geregelt ist. Dies betrifft etwa das Verhältnis zwischen Bund und Ländern, die Gesetzgebung, die Rechtsprechung oder das Finanzwesen.

Mehr als 60 Änderungen im Grundgesetz

Das Grundgesetz existiert nicht mehr in seiner ursprünglichen Form von 1949. Es wurden seither mehr als 60 Änderungen vorgenommen, für die jeweils eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat erforderlich war. Bekannte Grundgesetzänderungen gab es etwa beim Asylrecht oder durch die Föderalismusreform.

Doch Artikel 79 enthält für einen Teil der Verfassung auch eine umgangssprachlich oft als Ewigkeitsgarantie bezeichnete Einschränkung: „Eine Änderung dieses Grundgesetzes, durch welche die Gliederung des Bundes in Länder, die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung oder die in den Artikeln 1 und 20 niedergelegten Grundsätze berührt werden, ist unzulässig.“

Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe, es gilt als Hüterin des Grundgesetzes und wacht über deren Einhaltung.
Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe. | Bild: Uli Deck/dpa

Eine gänzlich neue Verfassung wäre allerdings möglich. Diesen Weg eröffnet der letzte Grundgesetzartikel 146: „Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“

Hüterin der Verfassung

Seine Kraft konnte die Verfassung vor allem durch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entfalten. Seit seiner Gründung im Jahr 1951 wacht es über die Einhaltung des Grundgesetzes, seither prägte es mit seinen Urteilen die Geschichte der Bundesrepublik entscheidend. (dpa)

Debatte im Bundestag

Auch im Parlament wurde über die Entwicklung des Grundgesetzes ausführlich diskutiert. Dabei hoben alle Fraktionen dessen Bedeutung für die Demokratie in Deutschland hervor: