Der Feldzug, den Jürgen Resch und seine Deutsche Umwelthilfe gegen den Diesel führen, mag befremden. Vor allem die Dieselfahrer, die eindeutig die Dummen sind. Eines aber kann man dem Rächer der verpesteten Städte nicht vorwerfen: die Schuld am Diesel-Debakel tragen andere.

Autoindustrie wie Politik haben jahrelang geschlafen. Seit gut zehn Jahren, als das Thema Umweltzonen richtig aufkam, weiß man, dass niedrigere Grenzwerte hermüssen, um nicht in Konflikt mit EU-Gesetzen zu geraten. Genügend Zeit eigentlich, damit auf natürlichem Weg die übelsten Dreckschleudern von den Straßen verschwinden. Ganz ohne dass man sie hätte verbieten oder ausschließen müssen. Passiert ist indes wenig, vor allem weil das Umweltbundesamt die angeblichen Fortschritte der Autobauer nicht ernsthaft unter die Lupe nahm.

Damals wie heute ist die Politik von der Angst gelähmt, dass man bei einer konsequenten Linie in Sachen Verkehr Arbeitsplätze gefährden würde. Tatsächlich aber ist das Gegenteil der Fall: Weil Daimler, VW & Co in Sachen Ausstoß daheim nichts zu befürchten hatten, haben sie letztlich die E-Mobilität verschlafen.

Es ist also nicht nur im Sinne asthmageplagter Städter, wenn ältere Dieselfahrzeuge von den Straßen verschwinden müssen. Tatsächlich hat auch die Autobranche diesen Tritt in den Allerwertesten nötig. Ohne harte Urteile gibt es offenbar kein Umdenken. Genau das aber brauchen die Autobauer, um die Zukunft nicht zu verpassen.

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