Der Abschied von der Glühbirne ist längst geschafft. Wasserkocher, Fernseher und Staubsauger wurden auf Sparflamme reduziert. Europa hat beim Klimaschutz einen Ehrgeiz an den Tag gelegt, der weltweit Beachtung fand.

Doch der Schwung ist dahin. Spätestens seit der Ankündigung des amerikanischen Präsidenten, aus dem Pariser Abkommen auszusteigen, mit dem die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzt werden soll, sind die Bemühungen ins Stocken geraten.

Keine tiefgreifenden Reduzierungen?

Nun will die EU den Prozess wieder in Gang bringen. Das erscheint durchaus richtig. Der Rekordsommer mit Dürre und Wassermangel sowie Ernteschäden schafft eine Atmosphäre, in der weitere Runden beim Energiesparen günstig erscheinen. Dabei schlägt EU-Klimaschutzkommissar Miguel Arias Canete nicht einmal tiefgreifende Reduzierungen vor.

Er hat lediglich zusammengerechnet, was leicht machbar wäre, wenn man die Beschlüsse zwischen den EU-Vertretern und den Mitgliedstaaten vom Frühsommer tatsächlich umsetzen würde. In Brüssel weiß man, wie schwer das sein wird. Denn Bürger und Politiker sind stets bereit, immer ehrgeizigere Vorgaben für Europa zu beschließen, strittig wird es erst dann, wenn die nationalen Anteile herausgerechnet und in Gesetze gegossen werden sollen – Beispiel Abgasgrenzwerte für Pkw. Da stellt sich dann auch Deutschland gerne mal schützend vor seine Autohersteller.

Schwierige Veränderungen der eigenen Lebensweise

Tatsächlich wird die öffentliche Diskussion wieder einmal mit gespaltener Zunge geführt. Die Kritik am US-Präsidenten und seinem Ausstieg aus dem Pariser Abkommen ist laut und kraftvoll. Wenn es um die Veränderungen der eigenen Lebensweise geht, werden viele deutlich stiller. Dabei funktioniert Klimaschutz eben nicht, wenn die Absichten auf geduldige Konferenzpapiere begrenzt bleiben, soll heißen: ohne Beteiligung jedes Einzelnen sind.

Zynisch gesagt: Dass die EU so „unverfroren“ war und mit Blick auf den Zustand unserer Atmosphäre die Leistung der Staubsauger drosselte, erregte viele weitaus mehr als die Vorboten und Folgen der Erderwärmung. Dabei sind sich die Wissenschaftler weitgehend einig: den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, ist ein Minimalziel. Besser wären 1,5 Prozent. In Zahlen heißt das: Der CO2-Ausstoß müsste in Europa um 55 Prozent bis 2030 gesenkt werden – nicht um 45 Prozent, wie die Kommission es jetzt fordert. Und nicht um 30 Prozent, die der Bundeswirtschaftsminister bereits als nicht realistisch bezeichnete.

Was die EU deshalb wirklich braucht, sind Mut und Entschlossenheit. Wichtige Beschlüsse für diverse Maßnahmen – darunter für einen effizienteren Emissionshandel – wurden verabschiedet. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron haben sich in einer gemeinsamen Erklärung auf mehr Klimaschutz festgelegt. Doch nun müssen den Worten auch Taten folgen – vor allem dann, wenn man sich von den USA einerseits absetzen und sogar deren Anteil am CO2-Ausstoß auffangen will. Die EU hofft auf eine Sogwirkung, die ein ambitioniertes Vorgehen der Mitgliedstaaten entfachen könnte. Diese Rechnung könnte aufgehen – wenn alle mitziehen und vor allem jeder auch konsequent umsetzt, was sein Beitrag ist. Das gilt besonders für die Bundesrepublik.

Eigentlich bräuchte die Union ein vergleichbares Aufbruchpotenzial wie sie es 2007 mit ihren ersten Klimaschutz-Beschlüssen gesetzt hat – übrigens unter deutscher Präsidentschaft. Doch das wird nur funktionieren, wenn Berlin mehr bietet als bisher erkennbar ist. Ein Bundeswirtschaftsminister, der sich von weiteren ehrgeizigen Schritten gegen die Erderwärmung verabschiedet, ist keine Hilfe. Peter Altmaier darf nicht länger der Bremser sein, er muss den Motivator in sich entdecken, der die Industrie anschiebt, sich den ökologischen Herausforderungen der Zukunft zu stellen – anstatt sie in ihren Widerständen zu bestätigen. Der Klimaschutz ist kein Luxus, sondern eine Bedingung für die Zukunft dieses Planeten. Das sollte allen klar sein.

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