Der Spitzenkandidat der CDU für die Bremer Landtagswahl, Carsten Meyer-Heder, ist bei der Wahlparty am Sonntagabend von seiner Partei frenetisch gefeiert worden. Die Wähler hätten der CDU einen Regierungsauftrag gegeben, sagte der 58-jährige Software-Unternehmer, der erst seit gut einem Jahr in der CDU ist.

„Zum ersten Mal habt ihr gesagt: Die CDU soll‘s machen“, sagte er mit Blick auf die Wahlbürger. Nach den Prognosen von ARD und ZDF könnte die CDU im kleinsten Bundesland zum ersten Mal seit über 70 Jahren die Macht übernehmen. „Das ist ja mein erster Wahlkampf. Es ist aber ein historischer“, sagte Meyer-Heder.

Bremer Bürgerschaft, im Hintergrund die Türme des St.Petri Dom.
Die Bremer Bürgerschaft, Sitz des Landesparlaments der Freien Hansestadt Bremen. Im Hintergrund die Türme des St. Petri Doms. | Bild: Carmen Jaspersen (dpa)

Der Bremer CDU-Landesgeschäftsführer Heiko Strohmann hält eine Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP für „realistisch“ im kleinsten Bundesland. Die CDU sei für ihre Bildungs- und Verkehrspolitik gewählt worden, sagte er am Sonntagabend. Die Grünen hätten ihre Stimmen für ihre Klimapolitik bekommen.

Dies passe gut zusammen. Allerdings sei die CDU auch offen für Koalitionsgespräche mit der SPD. Die Sozialdemokraten hatten allerdings bisher eine große Koalition mit der CDU klar ausgeschlossen.

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Bremer SPD hält Rennen mit CDU um Spitzenplatz bei Bürgerschaftswahl für offen

Die Bremer SPD hält das Rennen mit der CDU um den Spitzenplatz bei der Bürgerschaftswahl noch für offen. „Das ist noch lange kein Ergebnis“, sagte Bürgermeister und Spitzenkandidat Carsten Sieling am Sonntag nach der Veröffentlichung erster Prognosen. Er hoffe, dass es eine Verbesserung gebe.

„Diese Zahlen sind durchaus enttäuschend.“ Die SPD fuhr bei der Bürgerschaftswahl laut TV-Prognosen das schlechteste Ergebnis seit Kriegsende ein und könnte nach bisherigem Stand erstmals seit mehr als 70 Jahren nicht stärkste Partei werden. Sieling betonte, die SPD in Bremen habe immer Mut und aufrechter Gang ausgezeichnet. Dies werde so bleiben. „Wir gucken in die Zukunft und wollen gestalten.“ Für das schwache Abschneiden seiner Partei machte Sieling auch die Bundespolitik verantwortlich.

Der Bürgermeister von Bremen und Spitzenkandidat der SPD, Carsten Sieling, geht zu Fuß von der Wahlparty der SPD in die Bürgerschaft.
Der Bürgermeister von Bremen und Spitzenkandidat der SPD, Carsten Sieling, geht zu Fuß von der Wahlparty der SPD in die Bürgerschaft. | Bild: Christophe Gateau (dpa)

Die Bremer SPD-Chefin Sascha Aulepp sagte, die Sozialdemokraten hätten in der Hansestadt zwar das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren, dieses sei aber noch „volatil“. Mit Blick auf den Abstand zur CDU fügte sie hinzu: „Das ist Schlagdistanz.“ Es bleibe ein „Kopf-an-Kopf-Rennen“.

Grüne halten sich in Bremen alle Koalitionsoptionen offen

Die  Partei könnte sowohl SPD wie auch CDU zur Regierungsführung verhelfen. Im Wahlkampf sei keine Koalitionsaussage getroffen worden - „und das werden wir auch heute Abend nicht machen“, sagte Spitzenkandidatin und Fraktionschefin Maike Schaefer am Sonntagabend. Am Ende werde ihre Partei auf die Koalition setzen, „wo wir am meisten Grün wiederfinden“.

Maike Schaefer, Spitzenkandidatin der Grünen, wirft ihren Wahlzettel in eine Wahlurne.
Maike Schaefer, Spitzenkandidatin der Grünen, wirft ihren Wahlzettel in eine Wahlurne. | Bild: Carmen Jaspersen (dpa)

Prognosen von ARD und ZDF zufolge sind in Bremen nach der Wahl Rot-Rot-Grün, Rot-Gelb-Grün und Schwarz-Gelb-Grün möglich. Einzig rechnerisch machbares Zweierbündnis wäre eine große Koalition, die aber von der SPD im Wahlkampf ausgeschlossen wurde. Somit kommt den Grünen eine Schlüsselrolle zu.

„Wir werden mit allen reden“, sicherte Schaefer zu. Dies gelte für sämtliche Parteien „bis auf die ganz rechten“. Zu einer möglichen Jamaika-Koalition sagte Schaefer, die Grünen seien „weit entfernt“ von der FDP. Andererseits gebe es aber auch Differenzen mit der Linken, insbesondere bei der Schuldenbremse. Während die Linke diese kritisch sehe, wollten die Grünen sie beibehalten. (dpa/AFP)