Er kam als Aufräumer in höchster Not: Frank-Jürgen Weise schulterte neben seinem Amt als Leiter der Bundesagentur für Arbeit im turbulenten Spätsommer 2015 auch den Nebenjob als Chef im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz Bamf. So ein Mann hält seine Dienstherren – allen voran Angela Merkel – auf dem Laufenden. Erst recht, wenn er nach der Pensionierung als Sonderbauftragter in Berlin um Rat gefragt wird.

Aber dieser Rat scheint von der Kanzlerin nicht ausreichend ernst genommen worden zu sein. Auch der frühere Innenminister Thomas de Maizière und Ex-Flüchtlingskoordinator Peter Altmaier müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, einiges gewusst, aber beim Bamf nicht durchgegriffen zu haben. Ein Untersuchungsausschuss könnte die Gründe erhellen. Doch so lange sollte Merkel nicht warten. Der öffentliche Unmut über eine konzeptlose Flüchtlingspolitik ist nach dem jüngsten Bremer Bamf-Skandal zu groß, um das Versagen weiter zu bemänteln.