Trotz der angekündigten Einstellungsoffensive hakt es bei der Polizei in Baden-Württemberg an allen Ecken und Enden. So kann Innenminister Thomas Strobl (CDU) in diesem Jahr 68 Polizeianwärterstellen nicht besetzen, obwohl der Platz an den Polizeischulen vorhanden ist. Deswegen wurden von Strobl an den Ausbildungsstandorten Biberach und Lahr weniger Klassen eingerichtet als geplant.

Strobl hatte angekündigt, 2018 und 2019 jeweils 1800 neue Polizeianwärter einstellen. Zu den Ursachen hieß es im Innenministerium auf eine Anfrage der SPD, abgelehnte Bewerber hätten die Mindestanforderungen für den Polizeidienst nicht erfüllt.

Keine Abstriche bei der Qualität

Einige von ihnen fielen durch die Einstellungstest, andere scheiterten aus Gesundheitsgründen oder waren für den Polizeidienst nicht fit genug. Wie Strobl mitteilte, will er keine Abstriche bei den Qualitätsanforderungen für Bewerber machen.

Auch beim Ausbildungspersonal mangelt es. Um die Lücken beim Lehrpersonal zu schließen, plant das Innenministerium, Pensionäre als Ausbilder zurückzuholen. Doch von den 144 Ruheständlern, die sich als Polizeiausbilder beworben hatten, wurde bislang nur mit sechs Bewerbern ein Vertrag abgeschlossen.

Bis 2021 sollen trotz der Pensionierungswelle 1500 zusätzliche Stellen im Südwesten geschaffen werden. Die SPD übte harte Kritik am Innenministerium. Der SPD-Innenexperte Sascha Binder warnte, die Personalprobleme drohten auf Kosten der Sicherheit der Bevölkerung zu gehen. Es drohe eine "weitere Schwächung der operativen Polizeiarbeit", da die Beamten in den Revieren vor Ort fehlten.