Der Ton im Streit über die Sommerferien in Deutschland hat sich noch einmal verschärft. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) warf Bayern und Baden-Württemberg im Deutschlandfunk einen „Angriff auf den Föderalismus“ vor. Er sei sauer, sagte Müller. Auch Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) schickte neue deutliche Kritik nach München und Stuttgart.

„Wir haben unseren Biorhythmus“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte zuvor erneut ausgeschlossen, dass der Freistaat an seiner geltenden Ferienregelung etwas ändern werde. „Wir haben unseren Biorhythmus mit den Ferien – den wollen wir gern behalten“, sagte er am Mittwochabend beim „Bild“-„Townhall-Talk“ in München.

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Hintergrund des Streits: Bayern und Baden-Württemberg beteiligen sich traditionell nicht am sogenannten rollierenden System der Bundesländer bei den Ferienterminen. Während 14 Bundesländer jedes Jahr zu einem anderen Zeitpunkt in die Ferien starten, sind die beiden Süd-Länder zeitlich immer die letzten und begründen das unter anderem mit ihren Pfingstferien, die manchmal bis fast Ende Juni dauern. Im restlichen Deutschland gibt es keine Pfingstferien oder nur wenige freie Tage rund um die Feiertage.

Berlin und Hamburg wollen nun erreichen, dass die Ferientermine aller Länder künftig zwischen dem 1. Juli und dem 10. September liegen und dass auch Bayern und Baden-Württemberg dabei mitmachen. Der bisherige lange Korridor von Juni bis September soll nach dem Willen beider Länder verengt werden, damit die jährlichen Verschiebungen möglichst gering ausfallen. „Ich hoffe weiterhin, dass möglichst alle Bundesländer mitziehen“, sagte die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag. Die neue Regelung solle insbesondere sicherstellen, dass die Schuljahre möglichst gleich lang sind.

Südwesten müsste auf Ferien verzichten

Auch Baden-Württemberg ist nicht reformwillig. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) teilte am Donnerstag mit, die bisherige Ferienregelung habe sich sehr bewährt. Ohne den späten Ferientermin müsse Baden-Württemberg auf zusätzliche Pfingstferien verzichten, sagte sie. „Dies kommt nicht in Frage.“ Söder sagte der Deutschen Presse-Agentur in München: „Es ist ein eingespieltes Lern- und Lebensverhältnis, das wir hier in Bayern haben, zwischen Schulen, Eltern und Schülern.“ Damit sei man immer gut gefahren und wolle es nicht ändern.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sagte im Deutschlandfunk: „Es kann nicht sein, dass einige glauben, Föderalismus ist dazu da, dass sie einfach ihre Eigeninteressen durchsetzen können, sondern es ist ein Geben und Nehmen.“ Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) forderte ebenfalls, „dass künftig alle mitmachen“ beim rollierenden System.

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„Nicht nur die Bayern haben einen Biorhythmus und Vorlieben, was die Ferien angeht“, sagte der Chef des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Länder müssten im Föderalismus gut und fair zusammenarbeiten, sagte er. Dazu müsse jeder auch mal zurückstecken.

Bis zum Schuljahr 2023/2024 sind die Ferientermine bereits festgelegt. Wie es danach weitergehen soll, dazu will die Kultusministerkonferenz nächstes Jahr voraussichtlich im Herbst einen Beschluss fassen. Bei der letzten Konferenz im Oktober war vereinbart worden, dass Fachleute bis dahin Vorschläge erarbeiten sollen. (dpa)