Die Essener Tafel vergibt neue Berechtigungen zum Empfang von Lebensmittelspenden seit dem 10. Januar vorübergehend nur noch an Bürger mit deutschem Ausweis. Trotz bundesweiter Kritik von Sozialverbänden und aus der Politik bis hin zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält die Tafel daran vorerst fest, wie der Tafelvorstand am Dienstag mitteilte. Fragen und Antworten dazu.

Warum hat die Essener Tafel die Regelung in Kraft gesetzt?

Begründet wird dies mit einem großen Anteil an Ausländern, nämlich rund drei Viertel. Gerade ältere Nutzerinnen sowie alleinerziehende Mütter hätten sich von den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt, hatte der Vereinsvorsitzende Jörg Sartor gesagt. Bei diesen Männern habe er teilweise auch „mangelnden Respekt gegenüber Frauen“ beobachtet. Auch fehle manchem die hierzulande übliche „Anstellkultur“ in der Schlange – sprich: es wurde sich vorgedrängelt.

Gäbe es Alternativen zu einem Aufnahmestopp?

Ja. Bei der Tafel im benachbarten Wattenscheid etwa können nach einem Bericht der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ Senioren schon eine halbe Stunde vor dem allgemeinen Start kommen. Auch dort hatten es dem Bericht zufolge vor einigen Monaten einheimische bedürftige Rentner und Alleinerziehende schwer, sich angesichts zahlreicher Flüchtlinge und Zuwanderer in der Masse zu behaupten. „Irgendwann wurde es einfach zu viel und unübersichtlich. Wir haben die Einkünfte-Kontrollen verschärft, gestaffelte Zugangszeiten eingeführt und deutliche Worte gewählt. Das hat geholfen“, sagte Tafel-Leiter Manfred Baasner der Zeitung.

 

 

Wie viele Menschen erreicht die Essener Tafel?

In 13 Verteilstellen gehen die Lebensmittel jede Woche an rund 6000 Menschen. Die Tafel beliefert darüber hinaus nach eigenen Angaben knapp 110 soziale und karitative Einrichtungen wie Mittagstische in sozialen Brennpunkten oder Anlaufstellen für Obdachlose mit weiteren rund 10 000 Menschen. Bundesweit verteilen die Tafeln die Lebensmittel regelmäßig an bis zu 1,5 Millionen Bedürftige.

Wer macht die Arbeit?

In Essen sind es 120 ehrenamtliche Helfer, die Lebensmittel sammeln, sortieren und verteilen. Die Waren werden von Lebensmittelmärkten, Produzenten, Großhändlern und Bäckereien gespendet. Mit sechs Kühlfahrzeugen sammeln die Ehrenamtlichen die Waren ein und bringen sie zu den Ausgabestellen.

Wer darf zur Essener Tafel gehen?

Jeder, der seine Bedürftigkeit nachweisen kann: Empfänger müssen Hartz IV, Grundsicherung oder Wohngeld beziehen. In Essen erhalten die Kunden nach erfolgreicher Anmeldung eine Kundenkarte und eine feste Abholzeit einmal in der Woche. Bei der Anmeldung muss sich der Kunde entscheiden, an welcher der Verteilstellen er die Lebensmittel erhalten möchte. Jeder Erwachsene muss pro Ausgabe einen Euro Schutzgebühr bezahlen. Wer seinen Termin nicht einhalten kann, muss sich telefonisch abmelden. Wer das drei Mal versäumt, verliert die Berechtigung.