Das Internet entwickelt sich zu einem Mega-Stromfresser. Das sollten alle bedenken, die das Wort „Digitalisierung“ ohne groß nachzudenken in den Mund nehmen. Für immer mehr Daten-Pakete müssen immer mehr Server-Farmen hochgezogen werden, und die Megawatt für deren Kühlung müssen ja irgendwo herkommen. Digitalisierung bedeutet also: Mehr Kraftwerke, und wenn deren Strom grün sein soll, um die Klimaziele zu erreichen, dann reden wir hier über Milliarden-Summen, die zu stemmen sind.

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Was heißt das für „Fridays for Future“?

Aber auch andere Dimensionen lassen aufhorchen. Die bei Jugendlichen und jungen Leuten beliebten Streaming-Plattformen haben 2018 so viel Strom verbraucht, wie alle Privathaushalte in Deutschland, Italien und Polen zusammen. Wenn also die Generation „Fridays-for-Future“ größere Anstrengungen für den Klimaschutz fordert, dann sollte sie ihren eigenen Anteil am immer größeren Stromhunger der Gesellschaft nicht vergessen, sondern sich selbstkritisch fragen: Kann ich durch Streaming-Fasten nicht auch einen (kleinen) Beitrag zum Energiesparen leisten?

Auf der Gegenfahrbahn

Keine Frage: Ein neuer Kühlschrank oder eine neue Waschmaschine benötigen heute bei gleicher Leistung weniger Strom als früher. Alle Kunden kennen die Aufkleber mit den bunten Pfeilen, die das Level des Energieverbrauchs wiedergeben. Während sich der Einzelne vom Ökostandard leiten lässt, ist die Gesellschaft jedoch auf der Gegenfahrbahn unterwegs. Seit 2015 steigt der Stromverbrauch in Deutschland wieder an und liegt jetzt bei etwa 557 Milliarden Kilowattstunden.

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Sind die Klimaziele erreichbar?

Es ist die alte Lehre vom Rebound-Effekt. Hier wird gespart, dort dafür etwas zusätzlich verbraucht. Noch ein Ladegerät, noch ein Stecker. Wie so die hochgesteckten Klimaziele jemals Wirklichkeit werden sollen, bleibt ein Rätsel. Die Politik drückt sich um die Wahrheit herum. Wer die Kohle für den Klimaschutz überwinden will, sollte auch sagen, dass es ohne Verzicht nicht geht. Leider hört der Wähler so etwas ungern.